Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 148
(PDF, 174 MB)
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KONSTANTIN SOMOFF

KONSTANTIN SOMOFF

DIE LIEBENDEN (P O R Z E L L A N G R U P P E)

Aber auch die beifolgenden Abbildungen, die
in vorwiegender Mehrzahl den Arbeiten des
Künstlers aus den letzten fünf Jahren entnommen
sind, bieten hierzu genügendes Material
. Welch eine hohe Stufe der Vollendung
weist in jeder Hinsicht die entzückende „Schlafende
Dame" (Abb. S. 147) auf! Das Formal-
Zeichnerische, der aparte koloristische Reiz
der originellen schwarzen Robe mit weißen
Falbeln inmitten des rokokobunten Interieurs
und das genrehafte Motiv der in süßen Träumen
befangenen Reifrockschönen — alles ist
hier bis auf den letzten Rest, bei vollem
künstlerischen Gleichgewicht, zum Ausdruck
gebracht. Ja, Somoff ist ein geborener Genremaler
, er hat immer was zu erzählen, weiß bald
durch eine sentimentale, galante oder gar prik-
kelnd erotische Note zu interessieren, aber
das Novellistische ist bei ihm stets plastisch
und koloristisch so durchtränkt, daß es in der
künstlerischen Faktur ganz aufgeht und wir
seiner kaum bewußt werden. Anderseits, welch
eine Fülle vollauf verarbeiteter kompositioneller

Ideen und dekorativer Einfälle steckt z. B. in
den lithographischen Umschlägen zu den russischen
Gedichtsammlungen „Der Feuervogel"
von K. Balmont und „Cor Ardens" des Wia-
tscheslaw Iwanoff! Entsprechend der verschiedenen
Art dieser Dichter, wirkt hier die gewagte
Zusammenstellung himbeerroter Rosenkränze
mit dem reichen Safrangelb des Vorhangs
wie eine tiefe, leidenschaftlich verhaltene
Cellomelodie, während den Balmontschen
Band ein luftiges, poetisches Scherzo schmückt,
in dem sich russisch-orientale Phantastik mit
Rokokoreminiszenzen die Hand reichen. Es
gibt in der modernen Graphik nicht allzu viele
Buchtitel von gleicher koloristischer Qualität und
analog geistreichem Entwurf(Abb.S. 152u. 157).

Wie bereits bemerkt, scheint mir dies Streben
nach immer größerer Vollkommenheit,
nach einer immer höheren Stufe harmonischer
Durchbildung sämtlicher Hauptelemente eines
Kunstwerks, wenn auch zuweilen auf Kosten
der Prägnanz und Frische des ersten Eindrucks
, besonders charakteristisch für den So-

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