Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 154
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0206
^ ÖXS GX9 <2XS GX9 (2X9 C2X£)

KULTURGESCHICHTLICHE GRUNDLAGEN DER DEUTSCHEN MALEREI

KONSTANTIN SOMOFF

PROMENADE

er selbst für sein Verhalten gibt, beweist wie
stark das künstlerische Gefühl in ihm ausgebildet
war. „Gezeichnet habe ich da (in Kopenhagen
) niemals nach einer Antike", schreibt
er. „Ich glaubte das Nachzeichnen würde mir
zu nichts helfen, und wenn ich es versuchte,
so war mir als ob mein Gefühl erkalte."
Carstens wollte durch einfaches Betrachten seiner
Vorstellungskraft die Uebung und Fertigkeit erobern
, die andere Künstler durch vieles Nachzeichnen
bloß in Hand und Auge bringen.
Carstens fühlte dem Menschen aber nicht
nur als „Gestalt" an den Puls, sondern er
legte auch das Ohr dem Menschen an das
Herz, um den stolzen starken Schlag des
Lebens zu vernehmen. Denn das dürfen
wir dem auf so steinigen und verschlungenen
Wegen einherschreitenden Meister nicht versagen
, daß er pulsendes Blut wieder durch
die Adern seiner künstlerischen Gebilde rinnen
ließ. Sie präsentieren sich in armem Gewände
, als schwarz-weiße Zeichnungen, aber
sie leben, obwohl sie nicht in des Meisters
Heimat, ja nicht einmal in ihm als Künstler
entstanden sind, sondern obwohl sie dem

dichtenden Geiste, der Seele Homers entstammen
. Carstens ist als Maler literarisch
bedingt, ja er schließt sich häufiger ziemlich
enge an den Text des Dichters an, aber er
wird nie zum gemeinen Illustrator. Sein Kopf
und sein Herz gehören seiner Zeit ganz an,
von dieser empfing er die Fähigkeit, sich in
Homers Welt zu versenken, sie als eine eigene
Welt zu begreifen, als eine Selbsterkenntnis
des die Welt der Erscheinungen aufbauenden
Geistes. Carstens flüchtete sich völlig zur
Idee hin, weil er die äußere Wiedergabe der
mannigfaltigen Natur scheute, weniger wohl,
weil ihn die hergebrachte Arbeitsweise abstieß
, als weil er dadurch der klassischen Reinheit
näher zu kommen glaubte, und weil die
Zeichnung, selbst schattenhaft, die Schatten
einer vergangenen Zeit besser fassen, als naturwahre
Bilder. Rein äußerlich trat die damalige
Vorliebe für helle, zarte Farben (Pastellmalerei
) hinzu, die alle Zimmer zeigten, die
in allen Gewändern, in allen Gegenständen,
unter denen das Porzellan eine so bestimmende
Stellung einnahm, aufschimmerten. Dadurch
, daß J. Asmus Carstens die maßgeben-

154


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0206