Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 156
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KULTURGESCHICHTLICHE GRUNDLAGEN DER DEUTSCHEN MALEREI

tobt hat. Selbst das Mittelalter weiß davon
zu erzählen.

Schlegel sagt: „Die romantische Auffassung
umfaßt alles, was nur poetisch ist, ihr eigentliches
Wesen besteht darin, daß sie ewig nur
werden, nie vollendet sein kann, sie allein ist
unendlich, wie sie allein frei ist" (Athenäum
1798). Ein Ideal ist zugleich Idee und Faktum.
Für Deutschland ist besonders wichtig die Begeisterung
für das Mittelalter, über das die
deutsche Reichsfahne gebietend geflattert hatte,
das Gefühl des Deutschtums.

Immer mehr nahm das Publikum die Liebe
für die Geschichtswissenschaft gefangen. Herders
geschichts-philosophische Schriften gewannen
schon weite Kreise für diesen Stoff,
nicht zum mindesten, weil sie eine gewisse
Vorliebe dafür äußerten, von den im engeren
Wortsinne geschichtlichen Geschehnissen sich
zu lösen, und eine Konstruktion der Dinge
nach spekulativen Gesichtspunkten zu ver-

KONSTANTIN SOMOFF

IN DER SOFAECKE

suchen. Müller wandte sich in seiner Geschichte
der schweizerischen Eidgenossenschaft
bereits von dieser Methode ab, aber einer für
den nach gediegener und belehrender Unterhaltung
begierigen Liebhaber passenden Darstellung
zu. Sein vornehmster Nachfolger auf
diesem Wege war Friedrich Schiller, der seit
1790 über eine Geschichte des Dreißigjährigen
Krieges nachdachte. Es ist für uns hier einerseits
die Feststellung wichtig, daß die geschichtlichen
Werke für das gebildete Publikum
als anreizend erscheinen konnten und
andrerseits, daß die Stoffe der deutschen Geschichte
entnommen wurden. Schiller gab sogar
mit andern Fachgenossen seit 1790 eine
„Allgemeine Sammlung historischer Memoires
vom 12. Jahrhundert bis in die neuesten Zeiten"
heraus. Energisch gingen die Forscher und
Geschichtsfreunde auf dem Wege weiter, der
in die große deutsche Vergangenheit führte.
Der den Tatsachen des Daseins überall im
täglichen wie im innerpolitischen
und außerpolitischen Leben zugewandte
Sinn verlangte für seine
Auffassung ständig mehr Geltung.
Niebuhr folgte dem Rufe. Er begründete
durch sein Werk über die
„Römische Geschichte" (1811/32)
die auf Quellenkritik beruhende
kritische Geschichtsforschung.
Niebuhr verlangt, nie zu vergessen
, daß jeder historische Bericht
nur den Eindruck dessen wiedergibt
, der jenen geschrieben hat.
Der Forscher müsse darüber hinweg
„bis zur ursprünglichen Gestalt
des Geschehenen vordringen
und es schauen wie ein Augenzeuge
und Mitlebender". Im Jahre
1813 war die politische Anteilnahme
der Massen an der Gegenwart
so enge bereits mit der Vergangenheit
verknüpft, erschien
diese so lebensvoll, daß Rottek in
seiner „Allgemeinen Geschichte"
die Anschauungen der Gegenwart
in jedes Zeitalter und Volkstum
zurücktrug und die Weltgeschichte
zu einem Vortrag angewandter
Politik, zu einer Bekenntnisschrift
des Liberalismus gebrauchend, für
den durchschnittlichen Geschichtsund
Staatsbegriff der Mittelklassen
ein Zeitbuch von weitgehender Wirkung
schrieb, das in dreißig Jahren
16 Auflagen erlebte (Gervinus).

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