Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 160
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0212
I DER BILDHAUER RICHARD ENGELMANN

und Befriedigung gab und den Jammer vergessen
ließ. Er modellierte in Wachs kleine
Arme und Beine, ohne an Skulptur zu denken.
Man brachte die Versuche eines Dilettanten zu
Ruemann, und nicht lange nachher war Engelmann
Schüler der Akademie. Wenn man am
5. Dezember 1868 geboren war (in St. Georgen
bei Bayreuth als Sohn eines Arztes) und sollte
mit 24 Jahren wieder Anfänger sein, so ergab
sich das Tempo der Bemühung von selbst.
Schon ein halbes Jahr nach seinem Eintritt
in die Akademie, gegen 1893, entsteht das
erste größereWerk:
„Der Philosoph". Es
wäre kein schlechter
Anfang gewesen
, hätte der junge
Künstler nichts anderes
gewollt als
was das unbefangene
Auge sieht:
den reifen männlichen
Kopf von äußerst
komplizierten
Flächen. Schon
aber hatte er ihn
„Philosoph" getauft
und meinte
wohl, der Bildhauer

ge-

das

be-

das

RICHARD ENGELMANN »©MÄDCHEN MIT SCHWAMM

GIPSMODELL FÜR BRONZE (1908)

Florenz. Also schnelle Verheiratung und Abreise
. Einen Monat lang arbeitet er bei Hildebrand
, da verläßt dieser Florenz und Engelmann
sieht ihn nicht wieder. Die Eindrücke
waren stark, aber nicht dauernd genug, um
vorzuhalten. Da tritt ihm Böcklin in den Weg.
Es gibt wundervolle Abendspaziergänge voll
stärkster seelischer Impressionen. Der überreife
Greis, der schon lange kein Modell mehr
benutzt, weil er die Natur im Kopf und in
den Händen hat, entwickelt, was er sich unter
Plastik denke. Er verweist den jungen Sucher

auf die Antike, rät,
das Modell nach
Hause zu schicken,
— und Böcklin muß
es doch wissen,
wenn irgendeiner.
Das Unglück bleibt
nicht aus: Engelmann
stilisiert,noch
ehe er einen Kopf
nach den Verhältnissen
, die ihm die
Natur zur Lehre
bietet, einwandfrei
bauen kann. In München
weist die Jury
seine Sachen zurück
, und in diesem
Moment der
Verzweiflung sagt
ihm ein durchreisender
deutscher
Maler ein offenes
Wort: Paris, ehe es
zu spät ist.

1896 trifft er dort
ein. Ganz kurze
Zeit arbeitet er in
der Akademie Julian
und zieht sich
dann zurück, um
allein einen Weg zu
gehen, den ihm kein
Lehrer erleichtern
kann. Bald erliegt
er einem neuen Einfluß
und Hildebrand
und Italien sind
gänzlich vergessen.
Ueberall sieht man
RudeundCarpeaux,
die Jüngeren wie
Dubois, Mercie,
Dampt begeistern

müsse „Ideen"
stalten. Was
I Auge im Kern
I griffen hatte,
I verdarb die Philo-
\ sophie. Sosolltees
[ Engelmannnoch öf-
I ter ergehen.

Immerhin: dieses
erste Werk hatte in
der Ausstellung Er-
I folg. Eine weniger
[ eindrucksfähige Na-
I tur hätte die übli-
\ chen Eifersüchte-
[ leien gelassen hingenommen
. Aber
Engelmann verläßt
I in der ersten Erre-
j gung die Akademie,
i Nun wäre beinahe
) alles gut geworden ;

!denn Hildebrand,
der sich zufällig in
München aufhält,
verspricht zu korrigieren
, aber in

160


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