Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 161
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DER BILDHAUER RICHARD ENGELMANN

1

Paris, und also sind sie wohl auf dem richtigen
Wege. Er findet bei ihnen allerlei, was seinen
eigenen Wünschen entgegenkommt: Realismus
in den Details der Form und der Empfindung,
einen Elan der Komposition, menschlich wertvolle
„Ideen", und, nicht zu vergessen, hier
und dort ein paar gute, plastische Einzelheiten:
einen Schenkel, ein Handgelenk, einen gutsitzenden
Arm. Derlei haben die Franzosen
und Belgier im Blut, und wenn sie
sündigen, dann
wird es immer
noch nicht gar zu
schlimm. Vor
Rodin aber stand
man mit einem
großen Erstaunen
. Man hätte
schon Franzose
sein müssen,
oder als Deutscher
zehn Jahre
jünger, um an
seinem Genie
fruchtbar zu
werden. So heißen
Engelmanns
Werke aus dieser
Zeit: „Ertrunkene
", „EinVer-
dammter" und
dergleichen, und
man findet sie
würdig der Ausstellung
im
Champ de Mars.
Daß er immer
noch irrte, wußte
der Künstler
zwar nicht. Doch
war die rechte

Befriedigung
seiner Wünsche
auch in Paris
nicht erreicht

worden. Er begann, sich an Berlin zu erinnern.
Man sprach nur von Begas und seiner Schule.
Vielleicht dachte Engelmann an Aufträge, denn
von der Art des Begas war er damals nicht gar
so weit entfernt. So siedelte er Ende 1898 nach
Berlin über. Und nun sollte es wieder einmal
ganz anders kommen, als er es sich vorgestellt
hatte. Zwar, was er in den nächsten
Jahren herausbrachte (das „Liebespaar", die
„Aufrührerin", „Pelleas und Melisande"), bewegte
sich durchaus noch in dem Stil seiner

RICHARD ENGELMANN «S> DIE BRAUT

Pariser Werke. Dann aber, gegen 1905, kam
der Moment der gänzlichen Erneuerung.

Engelmann hatte mit dem Kreis der Seces-
sion Fühlung genommen. Ganz allmählich
gewannen die sachlichen Ideale dieser Gruppe
eine immer wachsende Herrschaft über sein
Denken. Von neuem wandte er sich an die
Natur. Und als Ergebnis eines überaus strengen
Studiums vollendete er 1906 „Die Frau mit
den Handschuhen". Gesicht und Haare sind

in einfachsten
Flächen modelliert
. In strengen
Winkeln begegnen
sich die Linien
, und die
breiten Aermel,
die einem Tumult
von Falten
und Ueber-

schneidungen
Platz geboten
hätten, sind unbewegt
, bis auf
ein paar Knicke
an den Gelenken
, motiviert
durch die horizontale
Lage der
Unterarme. Und
nur die virtuos

„gemachten"
Hände mit den
Handschuhen erinnern
noch an
vergangene Eitelkeiten
eines
falsch verstandenen
Realismus.

Schon vorher
aberwardieSkiz-
zeeiner „Ruhenden
Frau" entstanden
. Engelmann
sieht, kurz
vor ihrem Tode, 1905, seine schwerkranke Frau
mit gelösten Gliedern auf dem Sofa liegen, und
der Anblick ergreift ihn als Bildhauer noch
mehr, denn als Freund und Gatten. 1906 kommt
der Auftrag eines befreundeten Architekten,
die Skizze groß in Stein für den Garten seiner
Mutter in Osnabrück auszuführen. Und dieses
Zusammentreffen dreier Faktoren: das vorhergehende
Studium an der „Frau mit den Handschuhen
," das persönliche Erlebnis und der
Auftrag wirken zusammen, um den Bildhauer

GIPS FÜR KALKSTEIN (1912)

Die Kunst für Alle XXVIII.

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