Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 162
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DER BILDHAUER RICHARD ENGELMANN f

zu erlösen. In der „Ruhenden Frau" von 1906
fand Engelmann sich selbst. Und von da an
führt sein Weg zu reifen Werken von Schönheit
und Größe.

Wir werden versuchen müssen, diesen neuen
Stil zu bestimmen und ihn aus dem Wesen des
Menschen zu erklären. Denn nichts taugten
die neue Anschauung und der neue Ausdruck,
wenn sie nicht zu entwickeln wären aus der
besonderen Art des Talents und des Charakters.
Es war Engelmann bestimmt, reif und er selber
zu werden, wenn auch erst, als er sich dem
40. Lebensjahre näherte. Ist es die Schuld der
höchst verwirrten und unglücklichen Zustände
der plastischen Produktion, daß er, wie auch
Barlach, so spät zu seinem Werk kam, so darf
auch nicht vergessen werden, daß sich Engelmann
von Anfang an jedem starken Eindruck
allzurasch hingegeben hat.

Daß der bildende Künstler einer Leidenschaft
für die großen menschlichen Empfindungen nicht
anders Ausdruck geben dürfe, als durch die
„Form", begriff er erst spät. Er schwelgte in
komplizierten seelischen Situationen und suchte
diesen „Inhalt" mit der erschütternden Naivität
der Naturalisten durch bewegte Männlein und
Weiblein wiederzugeben. Daß ein unbehauener
Block durch seine immanenten plastischen Qualitäten
, die Ballung des Raumes und den Panzer
von Flächen, deutlicher die Sprache der Größe
redet als das Bismarckdenkmal von Begas,
wurde nur mühsam begriffen. Der Bildhauer,
der die elementaren Wirkungen seiner Kunst
zu nutzen weiß, geht vom Kubus aus und entwickelt
an ihm, was er im besonderen zu äußern
wünscht. Es ist Sache der künstlerischen Selbstzucht
, auf die billige Unterhaltung des Verstandes
durch Psychologie und Anekdote zu

^ RICHARD ENGELMANN SCHWESTERN. G I P S F Ü R K A L K S T E I N (1911)

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