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NEUE BÜCHER
Beeinflussung der Oeffentlichkeit entkräftet. Die erst
nach dem ordnungsgemäßen Verlauf der Düsseldorfer
Sitzung und nach der Veröffentlichung des
auch von sämtlichen Preisrichtern gebilligten Protokolls
gegen den rein künstlerischen Teil der Entscheidung
erhobenen Widersprüche waren eine
durchaus unzulässige Verletzung der notwendigsten
Voraussetzung bei einem Wettbewerb. Die Preisrichter
waren verpflichtet, die geheimen Klauseln
als ungültig anzusehen und aus ihrer Mitte wurde
das auch geltend gemacht und diese Zumutung durch
ein juristisches Gutachten als rechtsunzulässig zurückgewiesen
, sobald die Absicht ihrer Anwendung
geklärt war.
Darum muß die Darstellung und Schlußfolgerung
des Herrn Hellwag als Irreführung bezeichnet
werden, da seine Ausführungen sich wohl mit seiner
künstlerischen Privatmeinung decken mögen, sich
aber nicht mit dem allein von der Minorität durchgeführten
Rechtsbruch gegenüber den im Ausschreiben
klar ausgesprochenen Bedingungen befaßt.
Darum bleibt der von über fünfzig deutschen Künstlerkorporationen
erhobene Protest in voller Gültigkeit
bestehen und legt allen, welche sich der
Förderung der Denkmalserrichtung weiter widmen
wollen, die Verpflichtung auf, die volle rechtliche
Klärung auch ihrerseits zu verlangen."
Herr Fritz Hellwag, dem wir die vorstehende
Erklärung vorgelegt haben, äußert sich folgendermaßen
:
„Ich hatte meinen Artikel
für friedfertige Leute
, die jene leidige Angelegenheit
versöhnlich abschließen
wollten, geschrieben
. Wie ich annehmen
darf, hat er auch
vielfach die erwünschte
Wirkung ausgeübt. Das
genügtmirvollauf. Herrn
Floßmann zu überzeugen
, hatte ich allerdings
nicht gehofft und mag
deshalb auch nicht auf
seine obigen Aeußerun-
gen reagieren, selbst
wenn er mir, wie er es
bereits in den „Münchener
Neuesten Nachrichten
" getan hat, „Irreführung
" vorwirft, die ich
sicher nicht begangen
habe. Die Sache ist nämlich
längst so öde geworden
wie derStreit um des
Kaisers Bart, also lassen
wir sie begraben sein."
NEUE BÜCHER
Meier-Graefe, Julius
. Hans von Marees
. Mit60Abbildungen.
2. Auflage. Preis M 5.— .
R. Piper & Co., München
1912.
Im Vorwort seines
Buches bemerkt der Verfasser
, daß sein großes
Marees-Werk „zwar wenig getadelt, aber noch weniger
gelesen wird". Darauf kann ihm erwidert
werden, daß die Statistik der Benutzung einer
Münchener Kunstbibliothek ergibt, daß sein Marees-
Werk zu den am meisten benutzten und gelesenen
gehört. Die kurze Fassung, die er in dem hier
besprochenen Buche gibt, ist allen willkommen,
die nicht in der Lage sind, die drei Bände des
Hauptwerkes, besonders den Textband, gewissenhaft
durchzuarbeiten. Daß Meier-Graefe seine Aufgabe,
die Kunst des großen Malers dem nachdenkenden
Kunstbetrachter zu erschließen, glänzend löst, erwartet
man von einem Schriftsteller seines Ranges
. Wer vermöchte sich der eindringlichen Leidenschaft
dieser Sprache zu entziehen, die den
hohen und reinen Inhalt der Kunst Marees mit
unmittelbarer Kraft erfaßt. Dem Betrachter, der oft
genug an den „Unzulänglichkeiten" der Technik
Marees hängen bleibt, entzündet sich beim Lesen
dieses Buches ein helles Licht, in welches das
Metaphysische des Lebenswerkes des Künstlers gerückt
wird. Die ungeheure Arbeitsleistung des großen
Buches bedarf keiner neuen Würdigung, die
kurze Fassung sichert dem Verfasser den Dank
aller, denen um ein lebendiges Verständnis der
Kunst Hans von Marees und ihrer zahllosen Wirkungen
zu tun ist. Ausstattung des Buches und
die Abbildungen verdienen in Anbetracht des niederen
Preises alles Lob.
r. engelmann
bei der toilette
g.
Lichtwark, Alfred
. Deutsche Königsstädte
. 2. Auflage.
M3—. Berlin 1912. Bruno
Cassirer.
Auch dies Werkchen
Lichtwarks hat einen eigenen
Reiz. Es ist Städteführer
, doch literarische
Schöpfung; leichte, verklärende
Sentimentalität
liegt in den Reminiszenzen
, die doch voll tatkräftiger
Anregung; das
Werkchen liest sich wie
eine Plauderei und ist
doch fest gefügt und aufgebaut
. Liebenswürdig,
gütig ist Lichtwark als
Führer, ohne irgend welche
zwingende Ausdrucksweise
weiß er uns
doch an seine Anschauung
, an stille Forderungen
des Städtebaus zu
fesseln. — Lichtwark ist
kein Schlechtwettermaler
— er sieht die Städte
im klaren, schönen Licht.
— Wenn doch immer
noch viel mehr Reisende
etwas weniger gewissenhaft
allen Vorschriften
des „Baedeker" folgen
würden, dafür wirklichen
Reisegenuß sich holen
wollten aus einem Werkchen
, wie diesem Lichtwarks
, des großen Kenners
und Darstellers.
e. w. b.
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