Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 177
(PDF, 174 MB)
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I

KUNST DES 19. JAHRHUNDERTS IN KÖLNER PRIVATBESITZ j

aristide MAI llol

Aasstellung Paul Cassirer, Berlin

ruhende frau

kleinen Landschafter Hollands sind in sympathischen
Bildern hier zu finden: Weiden oder Wälder mit
Staffage von Menschen, Kühen und Schafen, so

kobell, Wie koekkoek.

Die Nazarener müßten — so durfte man erwarten
— in Köln besser vertreten sein. Die morgenfrohen
Talente und Stilbildner fehlen überhaupt;
von Deger gibt's ein wenigstens farbig anmutiges
Madönnchen, außerdem ein Heiligenbild „Herz
Jesu", Öldruck übelster Observanz. Von Steinle
ein harmloses Aquarell „Genovevalegende".

Neben der Landschaft spielt in der deutschen
Malerei der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
bekanntlich die Genre-Malerei eine Rolle; und das
Porträt behauptet seinen Platz nicht so sehr als
ein Zweig der hohen Kunst, denn als eine Art
Nutzkunst, als Familienbild oder Repräsentationsstück
. Beide Gattungen, Genre wie Porträt, nehmen
denn auch in dieser Ausstellung ansehnlichen Raum
ein. Die Porträts halten die Mitte zwischen Gediegenheit
und Nüchternheit, alle diese Hildebrandt,
Lauenstein, Risse, Schrödel und J.Weber; in
höherem Grade Malerei ist ein liebenswürdiges
Damenbildnis von c. Sohn (geb. 1805 zu Berlin,
gest. 1867 zu Köln). Es fehlt auch nicht an einigen
Überraschungen. Der Berliner Schräder (1815
bis 1900) war seinerzeit bekannt, doch aber ziemlich
in Vergessenheit geraten; hier erweist nun ein
Porträt A. von Humboldts sein malerisch diszipliniertes
Können, geschmackliche Selbstverständlichkeit
und farbige Noblesse. Am verwunderlichsten
aber ist das Schaffen eines ganz neu bekannt werdenden
Meisters: Heinrich Wieschebrink (geb.

1852 zu Düsseldorf, gest. 1885 zu ;Cassel); man
sieht das Bildnis einer alten Dame — weiß ist die
Haube, schwarz das Kleid und hellila die Haubenbänder
— mit einer Delikatesse gemalt, wie von
Leibi, vielleicht zärtlicher; gar kein Ringen ist
zu spüren, nur ausgereiftes Können in Verbindung
mit reinster Malkultur. Gegenüber den vielen Enttäuschungen
, die der Kunstbeobachter immer wieder
erleben muß bei „Entdeckung" verkannter Genies,
vergessener Talente, — dafür vermag ein solcher
Fund uns freudig zu entschädigen.

Ein harter, aber kein unfruchtbarer Boden war's,
den die Künstler dieser Epoche beackerten. Eine
neue Generation zog herauf, von deren Meistern
einige noch in unsere Tage hineinreichen. Zunächst
W. Kaulbach und Makart. Von jenem finden
sich hier zwei unzulängliche Porträts, von diesem
eines seiner pompösen, in den venezianisch üppigen
Farben unangenehm nachgedunkelten Damenbildnisse
; außerdem ein weiblicher Rückenakt von
frischer, leuchtender Farbbehandlung und wohliger
Freude an rosiger Fleischespracht.

Unter den Trägern des Ruhmes deutscher Genremalerei
ist der älteste, G. Schadow (1764—1850),
hier mit einem anmutig gemalten, zopffiechtenden
Mädchen von schüchterner, etwas blutleerer Art. Sodann
Hasenclever (1810—55), einer der liebenswürdigsten
; das hier befindliche Gemälde „Weinprobe
" (datiert 1846) ist eine seiner populärsten
Schöpfungen, in der Tat nicht ohne einen bescheidenen
luminaristischen Reiz, in Kupferstichen vielfach
verbreitet und jahrzehnte hindurch die Spießerherzen
ergötzend. Etwas jünger sind Knaus und

Die Kunst für Alle XXVIII.

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