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JOAKIM S KOVGAARD
DIE WANDGEMÄLDE VON JOAKIM SKOVGAARD
IM DOME ZU VIBORG*)
Von Wilhelm Wanscher
Joakim Skovgaard gehört dem Kreise von
Künstlern an, welcher, aus der Schule von
Eckersberg hervorgegangen, in den vierziger
Jahren der dänischen Kunst einen neuen monumentalen
und dekorativen Stil brachten, so
M. G. Bindesböll mit seinem Thorwaldsen-
Museum und Constantin Hansen mit seinen
Dekorationen im Universitätsgebäude.
Schon als junger Malergeselle (1874—75),
mit einem seltenen Gedächtnis für Bilder begabt
— er zeichnete in müßigen Stunden für
eine junge Dame einen ganzen illustrierten
Katalog der Frühjahrausstellung in Kopenhagen
— hat Skovgaard an der Ausmalung
der Decke im „rein" wiederhergestellten Dome
zu Viborg gearbeitet. Es handelte sich um
eine Art Nachahmung der Hildesheimer Decke.
Für persönliche Arbeiten im alten Stile war
die Zeit nicht mehr günstig.
Nach einigen Studienjahren in Kopenhagen,
Paris und Italien kam Skovgaard 1884 nach
Griechenland, und sein feinfühliges Auge hat
die Architektur dort ungefähr so geschaut wie
in den vierziger Jahren Constantin Hansen
und Roed die Ruinen von Pästum oder die
historischen Bauten in Dänemark malten. Von
*) Joakim Skovgaards Wandgemälde im Dom zu Viborg Erläutert
von Karl Madsen. Mit 129 Abbildungen. Gr. Folio. 35 M.
Verlag von H. Hagerup, Kopenhagen. Diese die Wandgemälde wie
auch viele Skizzen etc. in großen schönen Abbildungen wiedergebende
Publikation, die das Ministerium für Kirche und Schule
veranlaßt hat, liegt unserem Aufsatze zugrunde.
1888 ab beginnt in seiner Kunst das dekorative
Interesse eine große Rolle zu spielen. Er
hatte jetzt die persönliche Kraft, überall in
die mächtig bewegten oder monumental ruhigen
Linien einer Komposition sein Naturgefühl
hineinlegen zu können, in dieser Beziehung
ein echter Sohn der Romantik. So schreibt
denn auch Karl Madsen, Direktor der Nationalgalerie
, in seinem Werke über die Viborger
Bilder: „Man wird im Bilde von 1888 ,Der
Engel rührt das Wasser im Bethesda-Teich'
(Nationalgalerie, Christiania) an Delacroix erinnert
." 1890 entstand das Bild „Paradiesmauer
" (Hirschsprung-Museum, Kopenhagen),
dann folgte 1894 das große Bild des (Kopenhagener
Galerie) „Christus im Totenreich", von
der Ausstellung christlicher Kunst in Düsseldorf
her bekannt. (Abb. Jahrg. 1909/10, S. 81.)
Wie der Künstler seine Vorstellungen zu
gleicher Zeit naturalistisch und dekorativ verarbeitete
, zeigt das Aquarell „Christus führt
den Schächer ins Paradies" 1890 (Abb. S. 185),
das Hauptmotiv des Paradiesbildes, aber hier
mit einer helleuchtenden italienischen Landschaft
, welche den Blick in die Tiefe des
Raumes führte, verbunden — prachtvoll in
der Färbung, aber doch schöner in der reinen
dekorativen Zeichnung der Aquarellkomposition.
In dieser letzten haben wir den Ausgangspunkt
für die Dekorationen im Viborg-Dome.
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