Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 184
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I DIE WANDGEMÄLDE VON JOAKIM SKOVGAARD IM DOME ZU VIBORG

Die vorbereitenden Arbeiten zu diesem
Werke, welches auf bischöflichen und ministeriellen
Wunsch, trotzdem die Kritik dem
Künstler nicht eben günstig war, diesem übergeben
wurde, dauerten von 1890 bis 1898. Die
endgültigen Zeichnungen waren zwar etwas zu
kunstgeschichtlich ausgefallen, als ob wieder
der „reine" romanische Stil der Kirche die
künstlerische Phantasie ausschließen sollte. So
tanzt noch in gleichgültigen Linien Salome ihr
„romantisches" Solo (Abb. S. 187) — das
übrige aber erfuhr in der Ausführung eine
mächtige Steigerung. Denn vor den leeren
Flächen der Kirche hat der Meister zuerst das
Bedürfnis nach architektonischer Tiefe des
Bildraumes gefühlt. Er hat den Schritt vom
Romanischen nach dem Giottesken getan. Und

wieder hat er den Kompositionen überall eine
Gesamtbewegung der Figuren gegeben, als
erinnerte er sich noch an den Spruch Dela-
croix' von der Komposition: „des masses
marchant simultanement".

Er hat in den Bildern der „Tempelreinigung",
der „Heilung des blutkranken Weibes" und
der „Heilung des Gichtbrüchigen" (Abb. S. 189)
die drei verschiedenen Stellungen der Christusfigur
als verschiedene Momente derselben
Bewegung mit Steigerung nach dem oberen
Bilde hin dargestellt, im Bilde des „Großen
Gastmahls" (Abb. S. 182) die Bewegungen nach
oben und nach den Seiten ebenso als gleichzeitig
empfunden; die jungen Männer in ihrem roten
Rocke, welche die Einladung bringen, geben
mit seitlichem Wechsel dasselbe Motiv in ver-

INNERES DES DOMES ZU VIBORG MIT WANDGEMÄLDEN VON J. SKOVGAARD

Photographie Chr. E. Jörgensens, Viborg

184


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