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DIE WANDGEMÄLDE VON JOAKIM SKOVGAARD IM DOME ZU VIBORG >
I
JOAKIM SKOVGAARD
CHRISTUS FÜHRT DEN SCHACHER INS PARADIES
Skizze zu einem Wandgemälde im Dom zu Viborg
schiedener Höhe und auf verschiedene Weise
wieder. Wie fein die Bilder der Architektur
angepaßt sind, wird besonders hier und im
Bilde des „Einzugs in Jerusalem" (Abb. S. 183)
empfunden; wie an letzterer Stelle die „Erweckung
des Lazarus" über den Bogen gemalt
wurde! Als würde dem Bogen zu gleicher Zeit,
wie ihn Christus betritt, mehr Spannkraft gegeben
. Merkwürdig auch, wie dann die Gegenbogen
in der Gewandung Christi und in der
Bodenlinie des Einzugs das Gleichgewicht in
der Fläche bilden sollen; oder wie das kubische
Haus rechts und die Architektur oben die
Anomalie der linken Hälfte wieder ausgleichen.
Wäre Skovgaard nicht Maler geworden, er hätte
große Architekturwerke schaffen können.
Koloristisch versteht er im Bilde der „Kreuzigung
" (Abb. Jahrg. 1910/11, S. 425) mit den
rotbraunen Gruppen der Juden zu wirken;
oben, neben Longinus, welcher Christus den
Essigschwamm reicht, steht ein scharfgrünes
Gefäß. Oben auf der Mauer sitzt schon ein
Geier; das heißt auch geschichtlich die rechte
Zusammenschiebung und monumentale Ruhe
geben können. Die Geschichte der „Gefangennehmung
" nach dem „letzten Abendmahle" (Abb.
geg. S. 184) ist wohl nie besser erzählt worden.
Von größter Wirkung sind aber doch die
Fresken im Chore (Abb. S. 188), wo Skov-
gaards eigentliche Kunst, wie sie schon im
Aquarell des Christus mit dem Schächer oder
im Bilde des Totenreiches vorhanden war, jetzt
in Freiheit sich entfaltet. Die ins Leben gerufenen
Toten steigen auf in langer Reihe, von
Christus brüderlich geführt. Der Zug nähert
sich den Paradiespforten, welche von zwei Engeln
geöffnet werden. Oben steigt Christus aus dem
Grabe hervor und die Engel im Himmel freuen
sich. Das geschieht alles vor unseren Augen
in den beiden Kardinalrichtungen des Bildraumes
, der seitwärtsgehenden Reliefrichtung
und der statuarischen Frontalrichtung.
Anscheinend leicht und mühelos gemalt, hat
das Werk unendliche Arbeit gekostet. So
wurde auf den Gewölben mit Prophetenthronen
und byzantinischen Engeln auf blauem Grunde
wegen koloristischer Schwierigkeiten vier Jahre
wiederholt gearbeitet. Ein überlegener Geist,
ein Meister der Linie und des dekorativen
Zusammenspiels, Thorvald Bindesböll, hat
überall seine Kritik angewendet. Er ist es auch,
der die Paradiespforte zeichnete.
So wurde 1907 ein Werk monumentaler Kunst
vollendet, das alle Zeit ein Ruhmesblatt in der
Kunstgeschichte der dänischen Lande bleiben
wird.
'Die Kunst für Alle XXVIII.
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