Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 192
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NEUE KUNSTLITERATUR

NEUE KUNSTLITERATUR

Lange, Konrad. Ueber den Zweck der Kunst.
Akademische Festrede zur Feier des Geburtstages
S. Majestät des Deutschen Kaisers. M 2.—. Stuttgart
, F. Enke, 1912.

Lange wendet sich zunächst gegen die inhaltlichen
und formalistischen Zwecktheorien. Zu den
ersten rechnet er die Tendenztheorie und die früher
von ihm selbst vertretene Auffassung, die Kunst
habe den Zweck, das menschliche Gefühlsleben zu
ergänzen. Zu den zweiten zählt die Meinung, der
Zweck der Kunst erschöpfe sich in der Erzeugung
sinnlicher Reize, sowie die Theorie, die den Gestaltungsvorgang
schlechthin als den Zweck der
Kunst ansieht. Für Lange beruht der Endzweck
der Kunst „auf der Erzeugung eines von ihrem Inhalt
vollkommen unabhängigen Freiheitsgefühles".
Die Erzeugung dieses Freiheitsgefühles, das sich
auch auf manche andere Art hervorrufen läßt, kann
doch wohl nur als eine mittelbare, sekundäre Folgeerscheinung
der künstlerischen Wirkung, nicht als
Zweck der Kunst angesehen werden. In der Tat

zieht sich denn auch durch den ganzen Vortrag
gleich einem Untertone die Lehre, daß das Zustandekommen
der künstlerischen Illusion (in dem
Sinne, in welchem Lange das Wort versteht) der
unmittelbare Zweck der Kunst sei. Mit dieser Auffassung
aber steht Lange letzten Endes auf dem
Boden der von ihm bekämpften Anschauung Hildebrands
. Für den Künstler Hildebrand ist der
Zweck der Kunst mit der Gestaltung erschöpft. Der
Theoretiker Lange, der sich den fertigen Kunstwerken
gegenübersieht, muß sich die Vorstellung
des Gestaltungsprozesses erst hervorrufen und gelangt
so zu seinen zwei Vorstellungsreihen, von
denen die eine das vollendete, die andere das werdende
Kunstwerk betrifft, und auf deren Verbindung
erst das volle künstlerische Erlebnis des Nichtkünst-
lers beruht. So handelt es sich denn bei Langes
Polemik gegen Hildebrand in der Hauptsache um
einen Streit um Worte. Darüber kann ja kein Zweifel
sein, daß der Zweck der unmittelbaren Kunst sich
für den Künstler im Schaffen, für den Nicht-
künstler im Nachschaffen des Kunstwerkes erschöpft
. I. B.

OTTO LESSI NG f

ADAM

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