http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0259
DIE WINTERAUSSTELLUNG DER MÜNCHNER SECESSION
fallen. Gewiß, es mag zu Anfang der neunziger
Jahre gewesen sein, da geriet Samberger
einmal in den Bann- und Brennkreis Lenbachs.
Aber nur für eine kurze Spanne Zeit; bald
fand er zu sich selbst zurück und ordnete
hieß es: lern' was und dann zeig', ob du was
kannst! Samberger hat diese Probe bestanden.
Es sind da ein paar ganz frühe Arbeiten von
ihm, Selbstbildnisse, die von einer außerordentlich
gediegenen, in der Lindenschmitt-
■
LEO SAMBERGER
MADONNA. KOHLEZEICHNUNG (1896)
Winteraasstellung der Münchner Secession
fortan sein ganzes strenges, ernstes und eifriges
Schaffen wieder seiner ständig nach
aufwärts weisenden Entwicklungslinie ein. In
der Schule Lindenschmitts hat er seine Laufbahn
begonnen. Das war etwa ums Jahr
1882 herum. Lindenschmitts Atelier war eine
gute Schule und Lindenschmitt selbst ein tüchtiger
Lehrmeister, der alles auf solides Malen,
gar nichts auf genialisches Wursteln hielt. Da
Schule erworbenen Technik zeugen. Hätte
Samberger später das Technische nicht in der
Weise beherrscht, beherrschte er es heute
nicht so, wie es tatsächlich der Fall ist, so
wäre es ihm nie möglich gewesen, seine bei
aller Ernsthaftigkeit pikante, ganz auf Durchdringung
der Psyche des Porträtierten eingestellte
Bildniskunst zu üben.
Es ist ein unendlich weiter Weg, der von
199
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0259