Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 201
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leo samberger bildnisstudie (1908)

Winteraasstellung der Münchner Secession

Frauen hat Samberger selten gemalt. Tat
er es, so handelte es sich fast stets um ernste,
tiefe, etwas elegisch geartete Wesen, die er
im Bilde festhielt: Madonnen mit dem prophetischen
Schmerzenszug um den Mund, Kassandren
, finstere Musen, Entsagende. Ein gewisser
blonder, herber Frauenkopf von germanischer
Edelrasse scheint ihm einst besonders
gefallen zu haben, denn diesen Typus
hat er in mehreren Versionen seinem Werk
eingefügt. Daß Samberger in seiner Kunst
gelegentlich auch über das Porträtfach hinausging
, das lehren uns einige groß gesehene und
monumental gemalte Santi und mehrere figurenreiche
Kompositionsstudien religiösen Gegenstands
(„Kreuzigung", „Pauli Bekehrung"). Zahlreich
sind die Kohlezeichnungen Sambergers,
alle auf einen scharfen Schwarz-Weiß-Kontrast
eingestellt und daher oft stark in schwärzliche
Tiefen gehend. Diese Schwärze von Sambergers
Kohlezeichnungen mag das sonst herzlich
unbegründete Gerücht verursacht haben,
Samberger sei ein Schwarz-Maler. Allerdings
ist der Gesamteindruck seiner Bildnistafeln ein
ziemlich dunkler, doch hat dies seinen Grund
ausschließlich in den energisch durchgeführten
Konzentrationsabsichten des Künstlers. Samberger
huldigt der gesunden und eigentlich
selbstverständlichen, leider aber gar nicht so
allgemein verbreiteten Anschauung, daß bei

hinter der alles andere zurücktreten müsse.
Indessen ist ja von verhaltener Farbigkeit bis
zur Schwarzmalerei noch ein gut Stück Weges,
und von den Schwarzmalern, die ohne Asphalt
und Elfenbeinschwarz nicht existieren könnten,
trennt Samberger eine Welt . . .

Joseph Flossmann hat in zwei Sälen und
in den Durchgangsräumen zahlreiche in sich geschlossene
Werke, Modelle und Abbildungen
seines vielgestaltigen Schaffens aufstellen lassen.
In ihrer Vielartigkeit wirkt diese Kollektion etwas
nervös und gibt durchaus kein fertiges Bild von
dem ausgezeichneten Künstler, dessen beste Leistungen
auf dem Gebiet der öffentlichen dekorativen
Plastik liegen. Wer in München lebt, kann
sich freilich leicht auf andere Weise einen
unmittelbaren Eindruck von Floßmanns Arbeiten
machen, indem er beispielsweise das
Paulanerbrünnlein in der Au, den Brunnen am
Rennerplatz oder den Giebel-, Fries- und Portalschmuck
verschiedener öffentlicher Bauten
besieht. Auch in Ulm, vor dem Wielandhaus,
findet man ein prächtiges, intim-dekoratives
Werk Floßmanns, ein Brünnlein, das von einem
mit einem Widder kämpfenden Faunchen gekrönt
ist. Auch am Wertheim-Bau in Berlin,
an der Kirche in Bad Stehen, am Bismarckturm
am Starnbergersee findet man Proben seiner
Hand und seiner Kunst. Modelle und Abbil-

leo samberger^adolf oberländer (1902)
Winterausstellung der Münchner Secession

I einem Bildnis das Antlitz die Hauptsache sei,

Die Kunst für Alle XXVIII.

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