Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 210
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I CARL UND FRIEDRICH ERNST MORGENSTERN

Otto Scholderer, Peter Burnitz, im richtigen
Instinkt zu Courbet gingen, der 1858 zeitweiliger
Gast in Frankfurt war, und ihm später
an die Seine folgten, hielt Carl Morgenstern
hartnäckig an der Lehre seiner Jugend fest.
Sie forderte die Studie vor der Natur in
Zeichnung und summarischer Farbenangabe
als die Grundlage für das im Atelier zu vollendende
eigentliche Bild. Daß man heute seine
frischen kleinformatigen Studien höher als
seine Bilder bewertet, lag gewiß nicht in seiner
Absicht. Gern hat man vor diesen Studien
auf die verwandten Arbeiten Corots hingewiesen
, die dieser wenig früher aus Italien
heimbrachte, und bei dem Vergleich der beiderseitigen
weiteren Entwicklung die Schuld für
das Stehenbleiben Carl Morgensterns der
deutschen Umgebung zugeschoben. Zu Unrecht
! Er hatte sein glänzendes Wachstum
als Dreißigjähriger vollendet. Fünfzig Jahre
sollte er von den Früchten zehren, die die

bald abgeschlossene Entwicklung einer einseitig
genialen zeichnerischen Begabung ihm
mit auf den Weg gaben. Zeitlebens blieb seine
Farbigkeit auf einem schematischen Erfahrungsillusionismus
beschränkt. Er hatte keine Sehnsucht
, darüber hinauszukommen.

Als der fürstlich reussische Professor Carl
Morgenstern im Jahre 1870 seinen siebenzehnjährigen
Sohn Friedrich Ernst zu einem Frankfurter
Kaufmann in die Lehre gab, war er ein
innerlich alter Mann. Die guten Proben
künstlerischer Begabung, die der Junge abge- i
legt hatte, beachtete er wenig. Vielleicht wollte 1
er ihm in der sofortigen Wahl eines handfesten 1
Berufs den Umweg über das Land künstlerischer
Ideale zu dem Malberuf ersparen, den ,
er seit so langen Jahren betrieb. Friedrich (
Ernst saß recht ungern auf dem Kontorbock. |
Da aber sein Vater ein zäher Mann war, so i
durfte er erst nach zwei Jahren heruntersteigen, I
um doch Maler zu werden. Natürlich wurde der I
Vater sein Lehrer, nebenher schickte
man ihn in die Städelsche Kunstschule,
wo noch der alte Steinle regierte. Zeichnen
hieß es früh und spät, da nur ein
guter Zeichner ein guter Maler sein
könne. So fing Friedrich Ernst sein |
Leben genau wie sein Vater vor vierzig |
Jahren an, füllte Skizzenbuch um Skiz- I
zenbuch mit peinlich sauberen Zeich- l
nungen — und wurde mit sich nicht
einig. Sein innerer Beruf drängte zur
Malerei. Kurze Zeit war er 1876 in
Paris. Zum ersten Male wagte er es, (
frisch vor der Natur darauf loszuma- j
len, wie er's ringsum die Jüngsten |
tun sah. Die Studie von Notre-Dame I
(siehe das farbige Blatt) stammt aus I
dieser Zeit. Mit tiefem Mißmut sah 1
der Vater bei der Rückkehr solcherlei
Sachen und verurteilte sie aufs heftigste
. Er mußte sie seiner Natur
nach verurteilen, die ihn ohne Konflikt (
bei der Erziehung der Nazarener und |
der Romantiker bleiben ließ. Friedrich |
Ernst war nicht stark genug, um der I
Autorität des innig verehrten Vaters I
zu begegnen, von dem er sonst nur '
Zärtlichkeit erfuhr. Lange Jahre tastete
er nach dem, was seiner Natur
gemäß war, der Wiedergabe von Licht
und Luft, und durchlebte Zeiten schwe- (
rer Niedergeschlagenheit. Immer mehr |
wurde er, der Binnenländer, der Maler (
der See. Hier konnte er seiner Sehn- I
vs> die braut des Künstlers sucht leben, ohne seinen Vater zum

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carl morgenstern

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