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VON AUSSTELLUNGEN
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neben dem starken Temperament des Norwegers.
Weniger von Kalckreuth wäre, auch abgesehen von
der allzu gefährlichen Nachbarschaft, mehr gewesen.
Neben den sympathischen, intimen Arbeiten des
Künstlers steht manches Banale, das besser in der
Verborgenheit geblieben wäre. Im oberen Stockwerk
sieht man neben Resten der vorigen Ausstellung
Bilder von Theo von Brockhusen, alle mit derselben
gleichmäßigen Geschicklichkeit des Handwerks
und der Temperamentlosigkeit, die um so
peinlicher wirkt, als die furiose Pinselschrift eines
Van Gogh das unverkennbare Vorbild ist.
Der Schultesche Kunstsalon bringt im Anschluß
an seine große Schuch-Ausstellung nun 50 Bilder
Karl Hagemeisters, des neuentdeckten Alten von
Werder a. d. Havel. Hagemeister hat das Glück, seine
Entdeckung noch zu erleben und selbst die Preissteigerung
seiner Werke mit anzusehen, für die es
noch vor ein paar Jahren kaum einen Liebhaber gab.
Seit die Erkenntnis der Bedeutung Leibis in weite
Kreise gedrungen ist, und die verhältnismäßig geringe
Zahl seiner Werke der Nachfrage der Liebhaber längst
nicht mehr genügte, zog man nach und nach den
Kreis weiter, die Werke des jungen Trübner wurden
zuerst gesucht, Schuch folgte, nun ist man bei Hagemeister
angelangt. Aber man sollte sich bewußt bleiben
, daß die Stufenfolge nach abwärts führt, und bei
aller Hochschätzung für die solide Qualität der Arbeit
sollte man Hagemeister nun nicht zum Genie zu
stempeln versuchen. Die Ausstellung bei Schulte
zeigt sehr deutlich auch das Sprunghafte in der Arbeit
des Künstlers, die treue Gefolgschaft in den Wegen
Courbets und Leibis und zugleich die Versuche einer
Aufhellung der Palette, japanisierende Effekte, die
mit der Schwere der Farbenmaterie in keinem Verhältnis
stehen. — Kurz soll noch der jüngsten Ausstellung
des „Sturm" gedacht sein, die Werke von
Mitgliedern der Neuen Secession bringt. Viel ist nicht
von dieser mit großer Zuversicht gegründeten Künstlervereinigung
übriggeblieben, und nachdem sich alle
tüchtigen Kräfte zurückgezogenhaben, wäre es besser
gewesen, auch den anspruchsvollen Namen preiszugeben
. Cesar Klein ist ein sehr viel geringerer
Pechstein, Morgner bemüht sich, aus Kandinskys
neuen Evangelien mehrals Muster für Vorsatzpapiere
Zugewinnen und Kubista macht seinem Namen Ehre,
indem er die Gefolgschaft des Picasso vermehrt. Mel-
zer hat wenig Glück mit der Vergrößerung seiner
dekorativ hübschen Holzschnitte zu Gemälden, und
Richter versucht durch eine neue Methode gleichsam
rotierender Flächen seine Belanglosigkeiten interessanter
zu machen. Hoffen wir, daß der künftige
Herbstsalon, oder wer sonst die neuen Kräfte der
Malerei zu sammeln bestimmt ist, besseres Glück in
der Wahl zeigt. Daß Cassirer von allen Jüngeren diesmal
gerade Penner in seiner Ausstellung einen Platz
gewährt, der Marcs dekorative Erfindungen in Buchschmuckmuster
umsetzt, beweist allerdings, daß die
Unterscheidung des Wertvollen und Belanglosen innerhalb
der neuenRichtungen auch anderen noch nicht
mit der wünschenswerten Sicherheit gelingt. Verschließt
Cassirer nicht prinzipiell sein Haus vor den
Jüngsten, so sollte man hoffen,bei ihm eine Auslese der
besten zu begegnen, nicht den schwächlichen Nachempfindungen
eines höchstens dekorativen Talents.
Glaser
"W/IEN. Kleine Weihnachtsausstellungen an allen
Ecken und Enden, zumeist ohne jegliches
Interesse außerhalb einer engsten lokalen Sphäre.
Bemerkenswert ist vor allen in der Ausstellung des
Oesterreichischen Künstlerbundes ein neuer Mann,
der eigentlich ein alter ist, Konstantin Stoitzner
d. ältere, dessen gleichnamiger Sohn sich unter
den Malern der Secession eine angesehene Stellung
f. e. morgenstern
weststurm, vlissingen
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