Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 216
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VON AUSSTELLUNGEN

errungen hat, nun aber von der neu auftauchenden
Gestalt des Vaters einigermaßen „überschattet wird.
Diesen hatte bisher die Not des Tages in den engen
Bezirk geschäftsmäßigen Kunstbetriebs gebannt;
nun tritt er hervor und enthüllt in schwerfälliger,
altmodischer Form eine Persönlichkeit von ungewöhnlicher
Wucht. Seine Landschaften sind ein
atemloses Ringen mit der Aufgabe, ein Streben
nach größter Kraft des Ausdrucks. Stoitzners persönliches
Schicksal ist die Bedingung seiner eigentümlichen
Wirkung; einer, der lange stumm war,
beginnt mit seltsam eindrucksvoller Stimme zu
sprechen, die wie aus der Vorwelt tönt. Alles, was
zur künstlerischen Kultur des Impressionismus gehört
, ist an Stoitzner abgeglitten; in patriarchalischer
Würde steht er unter der Jugend von heute, die ihm
innerlich verwandter ist als der Zwischengeneration,
deren Entwicklung er nicht mitmachte. — Bei Miethke
ist eine Gedächtnisausstellung für den im Sommer
verstorbenen böhmischen Maler Hans Schwaiger
zu sehen, einen liebenswürdigen Erzähler, der dem
unausrottbaren Bedürfnis nach Romantik mit einem
Gemisch von Modern und Altertümlich diente und
sich aus warmem Humor und Holzschnitt-Derbheit,
kräftiger Lokalfarbigkeit und technischen Schrullen
einen eigenen wirkungsvollen Märchenstil zusammengebraut
hatte. Diesen Stil wußte Schwaiger auch
der karpathischen Waldlandschaft aufzuzwingen, in
der er gern hauste. — Auch die Futuristen sind zu
Weihnachten hier aufgetreten; es ist wohl dieselbe reisende
Ausstellung, die schon in anderen Großstädten
gesichtet worden ist, so daß eine eingehendere Cha-

rakterisierunghier erübrigt. Es sind unter dem Durchschnitt
begabte Maler, die ihren Hang zu süßlicher
Kitschmalerei hinter einer dürren, aus Cezanne und
Van Gogh abgeleiteten Bewegungstheorie verbergen;
die paar Effekte, die sie erzielten, sind ein recht schlecht
verkappter Impressionismus. Es wäre sehr unrecht,
diese kleinen Handwerker, die sich wie Schnock, der
Schreiner, als grimmige Löwen maskieren, mit den
Kubisten in einem Atem zu nennen, die sich mit
einem priesterlichen Ernst um die höchsten Probleme
der Kunst bemühen. — Auf mehr Interesse macht
eine Porträt-Ausstellung im Volksheim Anspruch;
trotz ihrer Uneinheitlichkeit und Planlosigkeit hat
sie das Verdienst, manches bisher unbekannt gebliebene
gute alte und neue Bildnis aus sonst unzugänglichem
Privatbesitz herausgelockt zu haben.
Halbswegs abgerundet erschienen nur die Alt-
Wiener Porträtkultur und die „Gründerzeit", die
Makart mühelos mit einem glänzenden Damenporträt
beherrscht. Eine wirkliche Ueberraschung
boten nur zwei Bildchen von Romako, dem lang
verkannten Rahlschüler, der mit seiner zuchtlosen
Genialität oft an die großen Franzosen seiner Zeit
heranreicht. Die Ausstellung erstreckte sich bis
in die Gegenwart herein; die Namen Klimt und
Horowitz, Corinth, Seligmann und Kokoschka zeigen,
daß auch hier höchstens das System entdeckt werden
kann, das in künstlerischen Dingen das schlechteste
ist: es allen recht machen wollen. Was für
eine künstlerische Volksbildung auf solcher Grundlage
geleistet werden kann, würde einmal eine prinzipielle
Auseinandersetzung verdienen. h. t.

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