Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 219
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MAX LIEBERMANN

MAX LIEBERMANN

sein mögen; und sie alle kannten die Grenzen
ihrer Begabung und hüteten sich, sie zu überschreiten
. Im Mittelpunkte steht Menzel; die
Jahrhunderte reichen sich in ihm die Hand.
Als Jüngling war er vom alten Schadow gelobt
worden und als Greis hat er einem Erstlingswerke
Liebermanns auf seine grimmige
Art Beifall gespendet. Menzel und Liebermann
gehören besonders eng zusammen. Eine
Zeitlang, namentlich in seinen Münchner
Jahren (1878 —1884), hat Liebermann sich sehr
ernstlich mit Menzel befaßt und „auseinander"
gesetzt. Er ist ihm in einer Reihe seiner
populärsten Bilder gefährlich nahe gekommen,
um sich dann doch wieder von ihm zu befreien
. Allezeit freilich bewahrte er dem
großen Sonderling einen tiefen, liebevollen
Respekt. Er verehrte in ihm die überlegene
Fülle der Gaben; doch hat seine Bewunderung
ihm nicht den klaren Blick getrübt, mit dem
er den Alten durchschaut. Namentlich für die

WIRTSHAUS IN OVERVEEN (1S94)

kuriose, mit Respekt zu vermelden, etwas
kleinliche Art der Menzelschen Begriffe von
Pflicht und Fleiß hat Liebermann ein lebhaftes
Gefühl. Und hier berühren wir den Punkt,
wo Liebermann über Menzel steht — als der
Urbanere, der Abgeschliffenere, als der Weltmann
über dem Spießbürger. Menzel hat sich
mit der Zeit verbohrt und Liebermann hat
sich mit der Zeit befreit. Von jeher wußte
er mit einer ungewöhnlichen Selbstkritik seine
Gaben zu zügeln, so daß es ihm gelang, seine
Grenzen ganz zu erfüllen und das Höchste
zu erreichen, was das Schicksal ihm vorgezeichnet
hatte. Er wird dereinst an dem hoffentlich
noch fernen Feierabend seines Lebens
befriedigt von sich sagen können, daß er das
ihm verliehene Pfund wohl verwaltet und vermehrt
habe.

Der oberflächliche Betrachter wird an dem
Lebenswerke Liebermanns allezeit als konstant
den sogenannten Naturalismus und als sehr

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