Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 220
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MAX LIEBERMANN

MAX LI EBERMANN

variabel dessen Ausdrucksform bemerken. Alle
zehn Jahre steht er als ein Neuer vor uns.
Dabei läßt es sich ohne tiefe Kennerschaft
feststellen, wie er in seiner Entwicklung mit
den Phasen des modernen Impressionismus
Anregungen von den jeweils führenden Meistern
widerspiegelt. Nur darf man nicht aus dieser
Beobachtung, wie es wohl geschehen ist, seine
Unselbständigkeit folgern, denn niemand ist
so selbständig wie Liebermann. Grade und
straff erhob sich sein Künstlertum, langsamer
oder schneller wachsend, doch niemals abgelenkt
. Nur unselbständige Naturen verlieren
sich an ihre Vorbilder, selbständige machen
sie sich dienstbar und zahlen das Empfangene
hundertfältig in eigener Münze zurück. Angeblich
soll der Künstler — und vollends der
Naturalist — der Natur alles verdanken, doch
wäre das nur mit manchem Vorbehalte zuzugeben
, denn in Wahrheit lernt er nur vom
Künstler. Kunst erwächst aus Kunst und nicht
aus der Natur! Den Künstler darum tadeln
ist genau so weise, wie wenn man den Dichter
tadeln wollte, weil er eine Sprache erlernt
hat und an ihren Meistern immer weiter sich
zu lernen bemüht. Nicht Armut sondern Reichtum
, nicht Schwäche sondern Stärke beweist
es, wenn einer unablässig mit den neuen
Problemen der Zeit ringt, statt eine glücklich

ZWEI REITER (1907)

gefundene Form als sogenannten persönlichen
Stil beharrlich beizubehalten.

Als Liebermann 1869 nach Weimar zu Pau-
wels kam, stand der Naturalismus des letzten
Jahrhundertdrittels in seiner Jugendblüte. Es
war ein Naturalismus des Stoffes, gepaart mit
Klassizismus des malerischen Tones, für den
Frans Hals das bewunderte Vorbild abgab.
Heute empfinden wir an der Malerei jener
Zeit vielmehr das Klassische als das Revolutionäre
. Und klassisch wirkt auf uns auch
die Gruppe der Frühwerke Liebermanns, unter
denen die Gänserupferinnen immer noch den
ersten Platz behaupten mit ihrer etwas schwerflüssigen
Dunkelmalerei, die durch wenige
hellere schöne Farbenklänge ihre Akzente erhält
. Aus den nächsten Jahren kennen wir
Studienköpfe, die es merken lassen, daß Liebermann
Frans Hals genau studiert hatte. Dann
wird ein weiterer Schritt erreicht in den Hauptbildern
der Pariser Zeit (1873—1878), der
Kartoffelernte und den Arbeitern im Rübenfelde
, die im Freien studiert, aber im entschlossensten
braunen Ateliertone gemalt sind. Die
Nähe Munkäcsys ist deutlich zu spüren und
von Millet ein leiser ferner Widerhall. In
dem Maße, wie nun allmählich das Problem
der Freilichtmalerei in den Vordergrund der
europäischen Kunst gerückt wird, hellt sich

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