Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 222
(PDF, 174 MB)
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! MAX LIEBERMANN

Liebermanns Palette auf. Die Bleiche der
Arnholdschen Galerie von 1882 bezeichnet
einen weiteren Markstein auf diesem Wege.
Sie ist von jener grauen, etwas tristen Helligkeit
erfüllt, die damals als das letzte Wort
der Feinheit galt, überall bewundert wurde
und deren typische Vertreter eigentlich gar
keine großen Maler waren, z. B. eher Bastien
Lepage als Manet. Noch die „Netzflickerinnen"
von 1888 sind auf einen ähnlichen Ton gestimmt
. Doch schon zu Anfang der neunziger
Jahre sehen wir Liebermann abermals auf
einer neuen Entwicklungsstufe. Jetzt erst
scheint er die vollkommene Beherrschung der
luminaren Probleme erlangt zu haben. Man
vergleiche nur die meisterliche Breite und
Leichtigkeit des „Biergartens in Brannenburg"
von 1893 mit dem Menzelisch unruhigen „Bierkonzert
" von 1883. Nicht mehr wie auf jenen
älteren Bildern ruht das Licht in Flecken auf
den Dingen, es umspielt sie vielmehr silberig
flimmernd. Liebermann vermischte damals

sehr viel Weiß auf seiner Palette und hat das
zitternde Leben der Form in der hellen
Atmosphäre wohl niemals besser gemalt. Hinter
solchem Pleinairismus standen in der Ferne
französische Anreger, Monet und die Seinen.
Wiederum verstreichen einige Jahre und Liebermann
erscheint abermals erneuert, verwandelt
und verjüngt — diesmal als Kolorist. Er war
es bisher nicht gewesen; doch hatte er seiner
Art gemäß allmählich seine Grenzen erweitert.
Zunächst suchte er in der Landschaft die
tieferen, reineren Farbenklänge auf, die er ehedem
vermieden hatte. Wir sehen jetzt nicht
mehr das helle Flimmern seiner früheren Va-
leurmalerei, vielmehr glüht und leuchtet es
manchmal aus seinen Bildern hervor. Als
Quelle der Anregung mögen ihm dabei Kolo-
risten, wie Van Gogh und Cezanne gedient
haben, als deren Verehrer er sich unzweideutig
betätigt, indem er sie an den Wänden
seiner eigenen Wohnung aufnahm.

Das Schauspiel dieser fortwährenden inneren

MAX LIEBERMANN

JUDENGASSE IN AMSTERDAM (1905)

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