http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0289
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1 MAX LIEBERMANN ,
MAX LIEBERMANN
Erneuerung ist rein menschlich erquickend. —
Wer Liebermann betrachtet, muß auch seiner
Sammlung gedenken — einer geistigen Ahnengalerie
; denn sie enthält alle jene, und nur
jene Meister, die er mit dem Rechte der Sympathie
als verwandt begrüßen darf: Krüger,
Menzel, Manet, Renoir, van Gogh, Cezanne,
ferner in den Mappen Daumier und köstliche
Japaner. Diese alle können sich bei ihm zu
Hause fühlen, doch haben sie mit ihrem Zuspruch
immer nur das ureigenste Gewächs
Liebermanns umspielt oder, wenn man will,
beleuchtet, um sein Wachstum zu fördern.
Was ist denn nun wohl jener Kern der
Liebermannschen Begabung? Worin besteht
seine Genialität, das Geschenk, das er der
Welt brachte, und das sie ihm allein zu danken
STRANDBILD NOORDWYK (1911)
hat? Zunächst ist es ein Raumgefühl, das
ihn im Laufe der Zeit zu einem der größten
Valeurmaler erhoben hat. Während sich diese
Qualität naturgemäß durch Erfahrung und
Uebung beständig verfeinerte, war seine andere
große Begabung so früh schon entwickelt,
daß man meinen könnte, sie sei fertig gerüstet,
wie Pallas Athene seinem Haupte entsprungen.
Und diese andere Begabung ist, allgemein gesprochen
, die des Vergeistigens. Damit ist,
wenn man will, das Programm des Impressionismus
bezeichnet, der sich überall als ein
vergeistigter und individualisierter Naturalismus
herausstellt. Nur muß gleich bemerkt
werden, daß kein anderer Impressionist —
nicht Degas, nicht Israels, von Manet und den
Seinen nicht zu reden — dieses Programm so
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