Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 229
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l MEINE ERINNERUNGEN AN KARL STAUFFER UND WILH. SCHÄFERS BUCH

MAX LIEBERMANN

BADENDE JUNGEN (1909)

Künstler, der die technische Malklasse hinter
sich hatte, vor der sehr schwierigen Aufgabe,
aus der Flut von Beeinflussungen, die er während
seiner Ausbildung erfahren hatte, die Art
herauszufinden, die seiner Eigenart am meisten
zusagte, sich zu finden, und dann das, was
glücklich darzustellen ihm beschieden sei. Wir
sehen ja heute bereits fertige Künstler, deren
Art festgefügt erschien, von Ausstellung zu
Ausstellung schwanken, und das wird als
Zeichen der Entwicklung gepriesen. Die Großen
, die bleiben, und deren nachgelassene Arbeiten
heute mit stets höheren Summen bezahlt
werden, waren immer Schüler eines
Meisters und sie entwickelten lediglich durch
Ausbau ihr Können, nicht durch fortwährendes
Umbauen und Neubauen, Neuerrichten von
Ueberzeugungen. Vielleicht sind es auch die
vielen Ausstellungen, welche uns belgische,
französische, englische Meister zeigen, die
ihrerseits alle viel fester in ihrer Kunst stehen,
als der deutsche, der sein eigenstes Wesen
so leicht aufgibt, was an unserer unharmonischen
Ausbildung schuld ist. Ich glaube bestimmt
, daß die fortwährend auf uns einstürmenden
wechselnden Eindrücke selbst die
allergrößten unserer Zeit in der vollen Entwicklung
ihrer Eigenart gestört haben. Daß
man die Spuren Meuniers, Böcklins, Rodins
in dem Werk ein und desselben Künstlers
nachweisen kann, ist doch eigentlich entsetzlich
. Die Großstadtflucht einzelner — Worpswede
, Dachau — ist vielleicht auch erfolgt, um
den Einflüssen, die ein Sich-treu-bleiben, ein
Sich-selbst-bestimmen so sehr erschweren,
zu entgehen. Eine zweite von den Kunstschriftstellern
bisher nicht gewürdigte Beeinflussung
der Staufferschen Generation brachte
die Photographie. Ich habe (Jahrg. 1906/7, Juli-
und Augustheft dieser Zeitschrift) in dem Aufsatz
„Werkzeug und Epoche" nachgewiesen, wie
unrecht Tschudi und andere den Malern der
dreißiger bis sechziger Jahre tun, wenn sie ihnen
vorwerfen, nicht den Mut und die Ehrlichkeit besessen
zu haben, um nach der Natur zu malen.
Sie konnten das nämlich erst, als die Industrie
längere Zeit haltbare und transportable Tubenfarben
, die Chemie das Cadmium und Chromoxyd
hergestellt hatte. Aehnlich ist die Photographie
ein Werkzeug geworden, das auf die

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