Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 239
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AUGUST GAUL

august g;aul

strauss

Wie wenig Gauls Tiere in Gefahr sind, mit
zufälligen Naturwesen verwechselt zu werden,
zeigt ihr^reines Aufgehen in architektonischer
Gestaltung. Mehrfach hat Gaul Brunnenaufgaben
zu lösen gehabt, und niemals hat er sich gescheut
, in ganz naiver Weise die Beziehung
des dargestellten Wesens zum Wasser als Kompositionsmotiv
zu verwerten. Besonders gern
sitzen Wasservögel am Rande des Beckens, einmal
spielen Bären am Brunnenstock. Und das
Wunderbare ist, daß niemals das fatale Gefühl
entsteht, wirkliche Wassertiere sollten vorgetäuscht
werden, und daß trotzdem keine künstliche
Stilisierung notwendig ist, um die Tiere
in die Linienführung der Brunnenarchitektur
einzubeziehen. Eine einfach klare Komposition
genügt, Stein, Wasser und Bronze zur Einheit
zusammenzuschließen. Auch diese Brunnen
haben nichts von künstlichem Archaisieren.
Sie sind weder gewollt mittelalterlich noch in
absichtlicher Weise antikisch, sondern einfach

entstanden aus der Zusammenbeziehung von
Plastik und lebendigem Wasser.

So versteht man es, daß unter so vielen Denkmalen
und Brunnen, die in dem neuen Berlin entstanden
, das bescheidene Werk August Gauls
rasch populär geworden ist. Es braucht keinen
Atelierjargon, um diese Dinge verständlich zu
machen, es braucht kein Wissen um Zeiten und
Stile. Wie die alten Aegypter ihre bronzenen
Katzen formten, so bildet sie Gaul wieder, nicht
weil er ein Rezept ihnen ablernte, sondern weil
die Voraussetzungen seines Schaffens ebenso
einfach und natürlich sind wie die des Aegypters.

Gauls Werke sind modern, weil sie in unserer
Zeit entstanden, sie sind klassisch, weil
ihr Inhalt sich rein in Form erfüllt. Sie haben
Stil, weil sie frei dem Gesetze ihres Ma-
teriales folgen, und sie scheinen der Natur
in allem zu gleichen, weil nirgends dem Vorbilde
Gewalt angetan ist, um es einem fremden
Ideale anzupassen.

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