Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 242
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ADOLF HENGELER

PUTTO

ler hat sich diese Fähigkeit durch seinen Fleiß,
der seinem Talent zu Hilfe kam, in so vollkommenem
Grade erworben, wie dies nur
ganz wenigen Zeichnern gelingt. (Von den
Modernen erreicht nur selten mehr einer diese
souveräne Formsicherheit: wo gäbe es auch
einen, der eine Witzblattzeichnung, was Hengeler
oft getan hat, drei- und viermal neu anlegte
und durcharbeitete, bis sie den gewünschten
Grad der Vollendung erreicht hat? Dazu
nimmt sich heute fast niemand mehr die Zeit.
Die Resultate sind aber auch darnach.)

Um auf den Anfang zurückzukommen: wenn
man früher den Namen Hengeler nannte, dann
dachte man nur an den Zeichner (Eingeweihte
erinnerten sich auch seiner köstlichen Allotria-
Karikaturen und Gelegenheitsblätter); und man
konnte auch nicht gut an anderes denken;
denn Hengeler, der am 11. Februar 1863 in
Kempten geboren ist, war damals ausschließlich
„Griffelkünstler". Das Malen lag ihm
noch meilenferne, wie er denn auch schon
während seiner Münchener Akademiezeit (von
1880 ab, unter Ferdinand Barth, J. L. Raab

und Wilhelm von Diez) weit mehr Sinn für
das Zeichnen wie für das Malen gehabt hat.
Er hatte eben, wenn man so sagen darf, als
Künstler die Farbe noch nicht erlebt. Aber
auch das sollte über ihn kommen. Und zwar
mit um so größerer Intensität, je länger es gedauert
hatte, bis er so weit war. Um 1900
also sehen wir beinahe plötzlich die Wandlung
eintreten: Hengeler beginnt zu malen. Man
war nicht wenig erstaunt über dieses Novum.
Und doch: in manchem mochte schon damals
so etwas wie eine Ahnung aufgestiegen sein,
daß dieser wunderliche Vorgang nicht auf eine
Laune zurückzuführen war, sondern daß sich
in ihm ein Naturgesetz offenbarte: das Gesetz
nämlich, daß jeder Zeichner zu irgend einer
Zeit seines Lebens einmal den heftigsten
Hunger nach der Farbe verspürt. Und zwar
geschieht dies meist in dem Moment, da er
erkennt: das, was mit dem Griffel zu sagen
ist, habe ich zur Genüge, wenn nicht zum
Ueberdruß gesagt, und es wäre nun einmal
an der Zeit, Neues mit neuen Mitteln zu sagen.
So sahen wir Oberländer zum Maler werden,

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