Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 253
(PDF, 174 MB)
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ADOLF HENGELER

DER BAUER

Thema bietet mir Gelegenheit, mich auszumalen
. Hoffentlich wird mir das Wetter einigermaßen
hold. Das also ist die Abendarbeit der
nächsten Zeit, etwa von 5 bis V28 Uhr. Aber
auch eine Früharbeit ist begonnen. Ich weiß
nicht, sahst Du die Skizze, es sind vier Arbeiter
, die einen schweren Steinblock vom Seeufer
in die Höhe ziehen und schieben. Als
der Chiemsee tiefer gelegt wurde, mußten wir
uns, wie Du weißt, zur Uferarbeit entschließen.
Bei dieser Gelegenheit entdeckten die Arbeiter
eine Anzahl großer Steinblöcke, die ganz
in Ufernähe versenkt waren. Ich ließ sie ausgraben
und zur Höhe bringen. Diese Szene
schildert mein anderes Bild. Halbnackte Kerls,
die in der Morgensonne mit Stangen und Strick
an dem Block arbeiten. Die ganze Uferlage
zwingt mich, um die Figuren nicht ganz als
dunkle Silhouetten gegen das Wasser zu kriegen
, die erste Morgensonne zu benützen von
6 bis 8 Uhr. Also da heißt's eine Weile früh
aufstehen. Reizvoll ist die Geschichte und
ganz ohne weiteres Dazutun ist's eine rechtschaffene
Komposition, sogar eine konventionelle
— aber da ich sie gerade so nach den
unbefangen Arbeitenden während deren Tätigkeit
skizzierte — soll's so bleiben. Die Hauptsache
ist mir natürlich auch daran das Farbenproblem
. Nun aber blühen die Glycinen in
seltener Pracht — da konnte ich doch nicht
widerstehen und habe mehrere solche Studien
und einen Goldregen aus dem wechselnden
Wetter herausgestohlen. All das Freilichtmalen
ist in unserem gemäßigten Klima eine nervöse
Geschichte — jeden Tag ander Wetter — ob
ich da wohl die größeren Unternehmungen zustande
bringe? Bei dem Glycinenmalen fiel
mir Leibis Ausspruch ein: „Verflucht — ich
merke, das ich geschickt werde, ich muß wieder
von vorne anfangen. Wenn man nicht malt
wie ein Kind, so ist's nichts". Vielleicht bist
Du mit dem erreichten luftigen Ton nicht unzufrieden
. Aber ja — „Leibi" — das ist ein
Name, der mir da glücklicherweise in den Sinn
kommt und dem Zeitvertreib durch Schreiben
sogar einigen Wert verleihen kann. Möchte
doch jeder, der mit diesem felsenfesten Maler
und Charakter zusammen war, seine Erinnerungen
an ihn niederschreiben! Ist er doch
Stolz und Stütze unserer deutschen Malerei
und wird seine hohe Schätzung, die ihm endlich
immer allgemeiner zuteil wird, nie sinken
— im Gegenteil! Als ich so glücklich war,
ziemlich häufig mit Leibi zu verkehren, war

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