Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 254
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0326
die Anerkennung seiner hohen Kunst
noch eine sehr geteilte. Einer kleinen
Gemeinde von Bewunderern seines
Könnens stand die große Zahl von
Künstlern gegenüber, die die Art seiner
Naturanschauung und ihre bildliche
Verwertung nicht verstanden oder direkt
als schädlich einschätzten.

Ein berühmter Künstler sagte über
Leibis „Politisierende Bauern": „Das
ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit",
ein anderer, noch berühmterer, zu Leibis
„Frauen in der Kirche": „Wenn man
das Bild verkehrt aufhängt, ist's geradeso
interessant". Solche Aeußerun-
gen zeigen die Geschmacksrichtung, die
in jener Zeit die herrschende war. Die
Mehrzahl der Maler und mit ihnen das
(und wohl das gesamte) Publikum verlangte
im Bilde Geschmack, d. h. ein
Arrangement, an das es sich gewöhnt
hatte, und dieser Leibi erdreistete sich
zu malen wie es ihn begeisterte, ohne
kühne Farbenzusammenstellungen und
Bewegungen. Er gab sich nicht einmal
Mühe, dem Publikum Geschichten zu
erzählen, konnte also unmöglich dessen
Gunst gewinnen. Denn wer sich auch
vom Klassizismus zum Realismus hatte
bekehren lassen, verlangte doch von diesem
Genuß im Farbenprunk und geistiger
Anregung, d. h. Schilderung
eines Vorganges. Piloty hat in seinen
Werken und denen seiner Schüler das
Höchste erreicht und eine ungeheure
Popularität dankte ihm dafür.

Man sagt, die Kunst solle erheben
oder erfreuen. Es kommt also sehr
darauf an — wen der Künstler erheben
oder erfreuen will. Daß nun ein
junger Maler in oben geschildertem
Milieu schaffend nicht auch auf die
äußerlich wirkende gut bezahlte Kunst
verfiel, zeugt von einer ungeheuren
Selbständigkeit und künstlerischen Gewissenhaftigkeit
. Daß die Richtung der
Zeit aber doch nicht gänzlich ohne Einfluß
auf ihn blieb, beweist sein erstes
Bild „Die Kritiker", das auch erzählend
auftritt. Eine Atelierszene, in der
die Maler Haider und Hirth du
Frenes geschildert sind. Es gelang
ihm damit ein Meisterwerk und man
kann sich über diese „Schilderung"
schon deshalb um so mehr freuen, als
es in hohem Maße zeigt, daß Leibi auch
der Darstellung bewegter Szenen gewachsen
war. Das Bild, entstanden


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