Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 257
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0329
ADOLF HENGELER

PORTRÄT

Dreißigjährigen Krieg und hatte die Genugtuung
, Anerkennung bei Publikum, Künstlern
und Kunsthändlern zu finden. Es ist eine liebenswürdige
Kunst, die ihm so viel Gunst erwarb,
gerade das Gegenteil dessen, was Leibi in
seiner Malerei erstrebte. Aus Leibis eigenem
Munde weiß ich, daß ihm die Diezsche Kunstrichtung
nicht zusagte ■— wie hätte sie also
diesen selbstsicheren, zielbewußten Künstler
ablenken oder bereichern können, die Gegensätze
sind in die Augen fallend. Der Lust
des Diez, aus vergangenen Zeiten fesselnde
Szenen, gewürzt durch malerische Kostüme,
anmutige koloristische Reize und delikate
Mache, einschmeichelnde Bilder zu gestalten
— steht der herbe Ernst der Leibischen Anschauung
gegenüber. Ohne An- und Entlehnung
an romantischen Zauber früherer Zeiten
sah er alle malerische Poesie unmittelbar
vor sich, immer und überall in der Natur. Er
vermied es, durch gedankliche Zutaten den
Blick und das Interesse von seinem „Gedicht
nach der Natur" abzulenken. Nach seinem
fabelhaften Erfolg mit seinen „Die Kritiker"
(er hat für dieses erste Bild in Paris die Goldene
Medaille bekommen) wäre es naheliegend
und praktisch gewesen, im „Genre" weiter-
zuwirken. Aber es war ihm ernst mit der
gegen mich einmal getanen Aeußerung: „Mit
ihrer verfluchten Gedankenmalerei verhunzen
sie uns die ganze deutsche Kunst". Er wollte
nicht Gedanken, er wollte Natur malen. Dazu
verwandte er seine ganze Zeit, seine Kraft,
seine Liebe, seine Empfindung — da quatsche
ich Dir alte Sachen vor, aber das Mißverständnis
, das gelegentlich der Diez-Ausstellung zutage
trat, zwingt doch, der Sache näher zu
treten. Euer Vater, mein Bruder Ernst*), einer
der Begabtesten, wenn nicht der Begabteste
der damaligen Diezschule, benützte eine Zeit,
in der ich als Rekonvaleszent nach einer Krankheit
zu nichts anderem als zum Modellstehen
tauglich war (auch das fiel mir herzlich schwer),
mich zu malen. Er sagte bei Beginn der Sitzungen
: „Das Porträt will ich in der Art wie
Leibi malen." Ein Beweis, wie stark das Schaffen
dieses auf die jüngere Malergeneration
wirkte. Breit und flächig, gänzlich al prima,

*) Prof. Ernst Zimmermaun (1852—1901), Ehrenmitglied
der Akademie d. b. K.

Die Kunst für Alle XXVIII.

257

33


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0329