Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 258
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ADOLF HENGELER ENTWURF FÜR LÄNDLICHE FASSADENMALEREI

naß in naß, entstand in ganz kurzer Zeit das
schöne Bild. Er beherrschte mit ungewöhnlicher
Leichtigkeit die Form und hatte das feinste
Gefühl für die Farbe. Seine Zeit als Studierender
der Münchener Akademie, und zumal
das längere Verweilen in der Diez-Schule,
waren wohl Ursache, daß er der Schilderung
nie ganz entsagte und auch als solcher häufig
den von ihm bewunderten „Alten" nachstrebte
. Auch weiß ich, daß persönliche Anregung
Lenbachs ihn veranlaßte, den Ton der
alten Meister (in Lenbachs eigenem Schaffen
als seligmachenden erprobt) festzuhalten. Was
er in diesem Sinne an abgerundeten Bildern
voll Farbenzauber geschaffen, dürfte doch an
Wert von seinen absoluten Malereien übertroffen
werden; so bewundern wir seine Fischstilleben
als einzig in ihrer Art und von immer
dauernder höchster Bedeutung.

Ein paar Jahre später, da ich von Euerem
Vater gemalt wurde, war ich so glücklich, Leibi
persönlich kennen zu lernen. Ich war Schüler
von Lindenschmit und die hohe Wertschätzung,
die Leibi vonseiten meines Vaters und Bruders
genoß, wurde ihm auch von meinem Lehrer
entgegengebracht. Da nun eine gewisse Verwandtschaft
der Schule oder der malerischen

Einflüsse zwischen Lindenschmit und Leibi bestand
, war es naheliegend, daß des letzteren
Kunst bei uns Lindenschmitschülern auf verständnisvolles
Eingehen stieß. In der Tat war
es da doch der größere Teil der Schule —
trotzdem gab es auch da „Geschmackvolle"
und wurden Kämpfe voll Leidenschaft für und
gegen Leibi geführt. Ich brauche nicht zu sagen,
daß ich, wie Euer Vater, meine Lanzen zugunsten
des Großen brach. Es wurde mir von
einer regelrechten Rauferei in der Allotria erzählt
, deren Ursache die Meinungsverschiedenheit
über Leibis „Politisierende Bauern" war,
in der Euer Vater sich besonders temperamentvoll
an seinen Gegnern betätigte.

Also ich kannte endlich Leibi persönlich
und häufig hatte ich Gelegenheit, in seiner
Gesellschaft zu sein. Es war dies in dem
sogen. „Spital", eine gesellige Vereinigung von
Mitgliedern der Münchener Künstler-Genossenschaft
. Da gerade zu jener Zeit die Gesellschaftsräume
zum größten Teil von älteren
Künstlern besucht waren, nannten diese selbst
ihre Kneipe humoristisch „Spital", welcher
Name erst nach langen Jahren in „Gesellige
Vereinigung" umgeändert wurde. Einen längeren
Aufenthalt nahm Leibi in München, nach-

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