Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 260
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ADOLF HENGELER

ZEICHNUNG AUS DEN „FLIEGENDEN BLÄTTERN*
Mit Erlaubnis von Braun & Schneider, München

spielte er Karten, und das war gut und klug
von ihm. Ein Künstler, so völlig von seinem
Berufe in Anspruch genommen, mußte er sein
Denken für ein paar Stunden von seinem Fache
ablenken, denn im Kreise seiner Kollegen
führte nahezu jede Unterhaltung zur Fachsimpelei
und nicht selten zu Kampf und Streit,
in dem er gegen Nörgler seiner Kunst scharf
und schlagfertig auftrat und mit geistvoller
Ironie die Mängel und Schwächen der von
den andern auf den Schild Gehobenen (an
der Spitze natürlich Makart) bloßlegte. Es
waren oft Kämpfe bis tief in die Nacht oder
bis gegen Morgen — dazu mußte die Kehle
natürlich entsprechend befeuchtet werden —
und Leibi hatte einen guten Schluck — er
war gut „geaicht", wie man in München sagt.
Grueber, Kräppelin und Forel hatten die Menschheit
noch nicht aufgeklärt und bei einem
tüchtigen Menschen schätzte man damals starke
Zecherkraft als ritterliche Eigenschaft. In
Leibis Gesellschaft hatte man nie das unangenehme
Gefühl: „jetzt mußt du still und
demütig sein — es ist ein großer Mann, neben
dessen erdrückender Bedeutung du zu verstummen
hast". Ein schlichter, starker Mann,
der jede ernste, ehrliche Arbeit anerkannte
und ermutigte, fehlte ihm gottlob jede Pose
des großen Mannes. Mir jungem Anfänger
hat er die Ehre erwiesen, „Bruderschaft" anzubieten
. Bei dieser Gelegenheit erzählte er
mir: „Als ich in Köln unentschieden hin und
her überlegte, wohin ich zu weiterem Studium
gehen solle, sah ich ein Bild deines Vaters*^

*) Reinhard Sebastian Zimmermann (1815—1893)
bad. Hofmaler.

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