http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0340
HANS HEIDER
Ausstellung der Luitpoldgruppe
SCHNEELANDSCHAFT
niemandes Anhängsel, wir sind uns selbst genug,
wir haben Lebenskraft aus uns und in uns selbst!
Da obendrein in diesem Jahre die bevorstehende
„Internationale Kunstausstellung" im Glaspalast
gerade für die Münchner Malerbünde eine unerfreuliche
Raumbeschneidung bringen wird, ist
die uns im Kunstverein gebotene Ueberschau
über Einzelkräfte und Gesamtkönnen der Gruppe
besonders begrüßenswert.
Ich habe schon erwähnt, daß der Eindruck
im ganzen ein sehr frischer, lebendiger und
junger ist. Und zwar im guten Sinn der impressionistischen
Epoche: Die neuesten Kunst-
und Kulturwirrsale, die von ihren Propheten
„eine Malerei voll metaphysischer Erregungen"
genannt werden, und von denen man sagt, daß
ihr Ziel „nicht Naturbilder, sondern Erregungsäquivalente
" seien, haben bei der „Luitpoldgruppe
" keine Heimat. Hier herrscht noch -
das freut mich! — der optische, nicht der psychische
Impressionismus, und über allem steht
als Herrscherin die Natur. Nicht in einer
kleinlich-ängstlichen Wiedergabe, wie sie uns
etwa von den Münchner Landschaftern der
sechziger Jahre so rührend und unbehilflich
dargeboten wurde, sondern oft in einer sehr
derben und ganz originellen Handschrift, wie
sie beispielsweise der temperamentvolle Alpenmaler
Fritz Bär schreibt (Abb. S. 265). Bei
Lietzmann, der seit Jahren seine beschauliche
Höhe, wo er in sonniger Sommerrast nur arkadische
Menschen in arkadischen Gefilden gesehen
, wieder verließ und die krummen, mühseligen
Wege der Experimentierer einschlug,
hat diesmal einen märchenseligen alten Einsiedler
mit Putten gebracht (Abb. S. 274), ein
Bild, das in seiner Farbgebung böcklinisch ist
und seiner Stimmung nach an den Humor der
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