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lebhafte religiöse Empfindung hin, die überall
durchbrach. Die gewaltigste Aeußerung, zugleich
ein Abschluß der Bewegung im 1 T.Jahrhundert
, finden wir, wie bemerkt, im 18.Jahrhundert
in Klopstocks „Messias". Weit bedeutsamer
für die Folgezeit wurde aberLessings
Auftreten. Seine Meinung, „daß man keinen
Menschen in der Erkenntnis der Wahrheit nach
seinem eigenen Gutdünken fortzugehen hindern
muß", wurde befreiend für seine ganze Zeit.
Haman, für den die Bibel, der christliche lebendige
Glaube seit seinem Aufenthalt in London
der Angelpunkt seines Wesens geworden war,
greift die kühle, verstandesmäßige Aufklärung
lebhaft an. Sein vornehmster Helfer im Streite
wird bald Herder, der durch eine freie und vertiefte
Bildung des Herzens und des Geistes die
Liebe zur Religion veredeln, stärken will. Er
stellt das Humanitätsideal in seinen „Ideen zur
Philosophie der Geschichte der Menschheit"
(1784) auf. Und 1799 schreibt Schleiermacher
seine Reden über die Religion an die Gebildeten
unter ihren Verächtern. Er wendet sich gegen
die kalte, verstandesmäßige Aufklärung. Religion
soll ahnendes Anschauen des Universums, des
Unendlichen im Endlichen sein. Unsterblichkeit
heißt nichts anderes als mitten in der Endlichkeit
eins werden mit dem Unendlichen und ewig
sein in jedem Augenblick. Schleiermacher ließ
die Religion als persönliches Erlebnis unabhängig
von der Wissenschaft werden. Er verlangte
auch hier das Recht des Individuums.
Schlegel zählte damals schon zu dem Kreise
dieser Romantiker. Nicolai, der 1811 gestorbene
Freund Lessings wurde verlacht wegen seiner
Furcht vor den Jesuiten und vor dem Krypto-
katholizismus — und Schlegel schreibt 1798 im
Athenaeum: „Daß Sie sich nur nicht zu eifrig
dem Dienst der Antike widmen und mir ja den
katholischen Glauben in Ehren halten. Als
Maler haben Sie mehr Ursache, damit zufrieden
zu sein, wie mit der griechischen Mythologie."
HANS LIETZMANN DER HEILIGE HIERONYMUS
Ausstellung der Luitpoldgruppe
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