Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 275
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0349
FELIX EISENGRÄBER STÜRMISCHER HERBSTTAG

Aasstellung der Luitpoldgruppe

Es kommt die Zeit der kunstliebenden Klosterbrüder
, der Overbeck und Cornelius herauf!

Auch innerhalb der Kirche verlangte das
religiöse Gefühl Geltung. Es fand in der
protestantischen Kirche, vor allem in der
Herrenhuter Gemeinde, einen weithin hallenden
Wiederklang. Hier war schon seit Beginn
der Gründung dieser Sekte auf die Herzensund
Gemütsbildung als auf das Notwendige im
Christentum hingewiesen, und der Sektenunterschied
aufgehoben. Die alten und neuen
Unionsbestrebungen in Deutschland fungierten
als Helfer. Die Romantik fand hier überall
Berührungspunkte.

Der Katholizismus wurde ebenfalls von der
Zeitströmung getroffen. Durch Josephs II. Bestrebungen
, die deutsche Kirche zur administrativen
Selbständigkeit zu führen, die bis zu
den einschneidenden Beschlüssen der Emser
Punktation vom 25. August 1786 geführt, hatten
jedenfalls die Folge, daß überall neues Leben
pulste. Einzelne Bischöfe erließen Hirtenbriefe
gegen den äußerlichen Glauben der Katholiken.
Auch die Forschung begann die Flügel wieder
zu regen (namentlich nach der Säkularisation
der geistlichen Fürstentümer), um Aberglauben
wie kirchliche Mißbräuche zu beseitigen. Dies
allenthalben eifrige religiöse Leben in vielen
katholischen Ländern sog begierig Nahrung aus

der so erfolgreich betriebenen Durchforschung
des Mittelalters. Strahlte doch von hierher die
Glanzzeit der katholischen Kirche in die Gegenwart
hinüber. Die bilderfrohe Phantasie dieser
Zeiten unterstützte jede Neigung zu solcher
Wiedererweckung im Geiste. Die Malerei
wurde ganz unmittelbar davon betroffen. Die
Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders
(1797) und Tiecks „Phantasien über
die Kunst" legen beredtes Zeugnis ab. „Wunderliche
, fremde, unbekannte Lichter scheinen
aus ihm heraus, und er läßt die zauberischen
Strahlen durch die Kristalle der Kunst den
übrigen Menschen entgegenspielen. Nun vollendet
sich sein Werk, und dem es offenbart ist,
liegt ein weites Land, eine unabsehbare Aussicht
da, mit allem Menschenleben, mit himmlischem
Glanz überleuchtet, und heimlich sind
Blumen hineingewachsen, von denen der Künstler
selber nichts weiß, die Gottes Finger hineinwirkte
und die uns mit ätherischem Zauber anduften
und uns still den Künstler als Liebling
Gottes verkündigen." Die besondere Begabung
unseres Volkes für hohe Ideen, und deren
künstlerische Bewältigung findet hier Aussprache
.

Die Ausübung der Kunst galt als Gottesdienst
. Es wurde auch ganz offen ausgesprochen,
daß nur der Maler wahre (d.h.kirchliche) Kunst

275

35*


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0349