Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 277
(PDF, 174 MB)
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hohen Wogen

heranfluten
lassen. Damit
ist der Charakter
der religiösen
wie der
profanen Historienmalerei
gekennzeichnet
. Cornelius
,Overbeck
und ihre Gefolgschaft
, als
Maler der religiösen
Erzählungen
,
Schnorr von

Carolsfeld,
Moritz von
Schwind, dann
Wilhelm Kaulbach
als Schilderer
der politischen
Vergangenheit
Deutschlands
mußten von
ungeteilter
Anteilnahme
ihres Volkes
getragen werden
und wurden
es auch
in sehr hohem
Maße. Sie ließen
sich zudem
von einem durchaus richtigen künstlerischen
Gefühl leiten, wenn sie nicht Tafelbilder
, sondern Wandbilder zu malen verlangten
; denn in diesem Falle kam die großzügige
Technik der reflektierend-gefühlsmäßigen Gestaltungskraft
und Absicht hilfreich, zweckentsprechend
entgegen. Es mußte ferner in jeder
Hinsicht damals als notwendig erscheinen, die
Linie zu bevorzugen, weil sie die nachschaffende
Phantasie der Beschauer anregt,
und weil sie eine bestimmte, in gewissem
Hinblick abstrakte Formbildung, um die man
sich bemühte, unterstützt. Nicht minder befanden
sich die Künstler in innigem Einvernehmen
mit der Geistesrichtung ihrer Zeit,
wenn sie in diesem Falle auf die Farbe, ja auch
auf die modellmäßige Einzelbildung geringeren
Wert legten. Sie mußten einer malerischen
Darstellung der Idee zustreben, wollten sie
dem Worte eines Schiller gerecht werden,
daß, wer den Besten seiner Zeit genügt, für
alle Zeiten gelebt hat. Ich habe darzulegen

CARL HORN

Aasstellung der Luitpoldgruppe

versucht, wie
diegefühlsmä-
ßigen und wie
die philosophischen
religiösen
Tendenzen
eben dieser
aufbauenden
Jahrzehnte
bis und um
1800 eine der-
gestaltete Malerei
forder-
ten.Wenn Cornelius
sowohl
in seinen großen
christlich
-religiösen
Zyklen, wie in
den aus Homers
Dichtungengenomme
nen
Deckenbildern
in der
Alten Pinakothek
in München
ständig
wachsend weltumspannende
Gedanken mit
den konkreten
Vorwürfen zu
verbinden, zu
malen unternahm
, so tat
er den Besten

seiner Zeit Genüge. Er gab einem besonderen
Müssen seiner Epoche überzeugenden, gültigen
künstlerischen Ausdruck. Die Stunde drängte
von der kühlen Aufklärung ab, und einer warm
empfindenden bilderreichen Phantasie zu. Die
Schwäche einer fremden formalen Anschauung
unterlegen zu haben, wiegt bei unserer Fragestellung
gering.

Der Oppositionsgeist, der gleichzeitig in der
von Cornelius und seinen Genossen betonten
„glühenden und strengen Dürerischen Art"
der Zeichnung mit der laulich-liederlichen
Nachlässigkeit auf den Akademien erbittert
stritt, stand mit der auf allen Gebieten der
Geistestätigkeit zutage tretenden vorwärts
drängenden Richtung in engster Verbindung.
Cornelius war sich auch durchaus bewußt, daß
er sich als Künstler Eins mit seinen deutschen
Landsleuten fühlen durfte und wollte. Aus
Orvieto (und Rom) schreibt er im Jahre 1813:
„Ich habe ein kleines Werk zu Romeo und
Julia von Shakespeare in Arbeit, welches ich

BEIM AUSKLEIDEN

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