Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 279
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ROBERT KNÖBEL DAMENBILDNIS

Ausstellung der Luitpoldgruppe

ZUR TRAGIK IN STAUFFERS DASEIN

Im Februarheft dieser Zeitschrift veröffentlicht
Hermann Katsch einen Aufsatz, der sich mit
einer Kritik von Wilh. Schäfers Buch „Karl
Stauffers Lebensgang — die Geschichte einer
Leidenschaft" befaßt.

Die Auseinandersetzung Katschs mit Schäfer
ist eine persönliche Sache. Hingegen ist für
die Allgemeinheit von Bedeutung, daß nach
des Ersten Auffassung das eigentlich Tragische,
die Unrast in Stauffers Leben, das Getriebenwerden
„von Kunst zu Kunst, von Technik
zu Technik", wie er es nennt, der Mangel an
Schöpferkraft gewesen sei. Katsch spricht es
klar aus: „Das war die Tragödie seines Daseins".

An der absoluten Wahrheit dieses Satzes
wage ich zu zweifeln.

Gewiß hat das, wenn auch nur unbewußte
Fühlen des Mangels zu Stauffers Unrast beigetragen
; das „Treiben von Kunst zu Kunst,
von Technik zu Technik" scheint mir aber auf
ganz andere Weise erklärbar zu sein, namentlich
wenn man Stauffers Art der Begabung und
sein „Werk" in Betracht zieht.

Stauffers Begabung war in erster Linie eine
formale. Erklärt uns das nicht alles? Sagt
uns das nicht, daß Stauffer vom Malen zum

Radieren, vom Radieren zum plastischen
Arbeiten „treiben" mußte? Es ist mir ganz
unmöglich, in einem „Treiben" Tragik zu
erblicken, welches mir vielmehr logisch im
höchsten Grade erscheint. Der Fanatiker der
Form mußte ja anfangen zu radieren, nachdem er
längere Zeit gemalt hatte, er mußte ja anfangen
zu modellieren, wenn er, nach seinen hohen Leistungen
mit der Nadel, nach weiteren Möglichkeiten
des formalen „Sichauslebens" suchte!

Ich bin überzeugt, daß andere Künstler
ähnliche Triebe verspürt haben.

Was nun wirklich die Tragik in Stauffers
Dasein war, ist nicht so leicht einwandfrei
zu bestimmen; jedenfalls haben Zusammentreffen
und Zusammenwirken unglücklicher,
persönlicher Veranlagung mit außer ihm liegenden
unglücklichen Umständen verschiedener
Art die Katastrophe verschuldet.

Zweck dieser Zeilen war der, darauf aufmerksam
zu machen, daß einem unbefangenen
Beurteiler des Künstlers „Treiben von Kunst
zu Kunst, von Technik zu Technik" nicht
Tragik, sondern folgerichtige Betätigung, ein
inneres, wohl begründetes Müssen scheint.

Julius Voegtli

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