Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 282
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0356
•FRANZ BARWIG

FAUNGRUPPE (HOLZ)

geben, eine Schöpfung hervorbringen, die sich
dem Beschauer als Selbstverständliches aufzwingt
und ihm den gewohnten Natureindruck
zur Kraft und Klarheit des Kunsteindruckes
steigert.

Dem zuletzt genannten künstlerischen Typus
gehört Franz Barwig an; sein Sehen und
Formen ist am Material geschult, in dessen
Art und Bedürfnis er sich mit handwerksmäßiger
Gewissenhaftigkeit vertieft hat. Er
war ein Holzschnitzer, ehe er ein Künstler
wurde und hat Formen nie anders gesehen
als durch das Material hindurch, in dem sie
gebildet werden sollten. Dieses Denken im
Material gibt dem Schaffen Barwigs die Gebundenheit
, deren jeder Stil bedarf; für ihn
führen die Formen keine abstrakte Existenz,
geistern nicht körperlos in der Welt herum,
um von einem Künstler eingefangen und in
einem beliebigen Stoff verwirklicht zu werden,
sondern sie werden ihm erst dadurch lebendig,
daß sie durch den Charakter von Holz oder
Bronze oder Stein, in dem sie erstehen, bestimmt
werden.

Denn Barwig ist nicht der Spezialist eines
bestimmten Materials. Zwar hat er mit dem

Schnitzmesser begonnen und bringt auch heute
noch dem Holze, diesem edlen und volksmäßigen
Material, eine besondere Liebe entgegen
, die ihn alle seine Feinheiten voll auskosten
läßt; denn welcher Abstand zwischen
der fügsamen Linde, der wuchtigen Eiche, dem
metallkörnigen Ebenholz! — Aber er hat sich
nicht ein enges Sondergebiet geschaffen. Wie
er das Brüchige, Flächige, Starre des Holzes
beherrscht, so kennt er auch den Reiz der
glatten, schmiegsamen, glänzenden Bronze und
die Kraft und Schwere, Klobigkeit und Geschlossenheit
des Steins. Die Zucht, die Barwigs
Sehen dem Material verdankt, läßt ihn die
Eignung jedes Stoffes für die spezielle Aufgabe
oder — was auf das gleiche hinausläuft —
die stilistische Bedingtheit untrüglich erkennen,
die dem Thema aus dem gewählten Material
erwächst. Sind diese Wanderer (Abb. S. 280)
so grotesk vermummelt oder dieser Truthahn
(Abb. S. 285) so steif und aufgeblustert, weil
sie aus Holz sind oder sind sie aus Holz, um
das Müd-Verwahrloste der Landstreicher, das
Aufgeblasene des Federviehs herauszubringen,
ist das Schlüpfrig-Glatte und Tolpatschige so
eines Waschbären (Abb. S. 281) ein Verdienst

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