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GASTON LA TOUCHE
BEIM SAMMLER
GASTON LA TOUCHE
Von Wilhelm Michel
In St. Cloud draußen hat er seine Arbeitsstätte
aufgeschlagen, dem liebenswürdigen Landstädtchen
im Seinetale, das heute noch in Traum
versunken dem lauten glän-
zendenLeben nachzusinnen
scheint,welches das Kaiserreich
hier gerne zu entfesseln
pflegte. Eine solche
Umgebung von retrospektiver
Stimmung scheint zum
Wesen dieses echt französischen
Künstlers, der mit
heiterer Ruhe und gutem
Humor die rasche Entwick-
lungan sich vorüberbrausen
ließ, gut zu passen. Zwar
zählt er heute noch zu
Frankreichs guten Künstlernamen
. Aber wie viele
Probleme und Entwicklungen
sind heißen Atems
durch die Ateliers gegangen
, seit Gaston La Touche
unter den Jungen war, seit er jene gemäßigt
moderne Ausdrucksweise erkämpfen half, die
ihm für den Rest seines Lebens genügt, seine
heiteren liebenswürdigen
Abenteuer, Intrigen und
Idyllen zu erzählen.
Es ist in der Tat kein
großer, stürmischer Kunstwille
, dem die Begabung
dieses scharmanten Künstlers
dient. Sein Lebenswerk
ist frei von jenen
Härten, die das aus starken
evolutionistischen Antrieben
stammende Schaffen
charakterisieren. Die ganze
Liebenswürdigkeit Alt-
Frankreichs ist darin, das
gute, heitere Leben genußfroher
Zeiten, wie sie das
zweite Kaiserreich gekannt
hat. Ja, man kann noch
weiter zurückgehen: Ist
Die Kunst für Alle XXVIII. 13. 1. April 1913
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