Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 295
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| GASTON LA TOUCHE

der spielerische Dinge unternimmt. So kommt
es auch, daß der Epigone dieser Art für den
ersten Blick nicht selten äußerlich origineller
wirkt als jener, daß er vielfach erst von dort
seinen Ausgang nimmt, wo die Weiterungen
jenes oder auch seine wie überall, so auch
bei ihm zu findenden natürlichen Schwächen
ihn zum scheinbar Absonderlichen geführt
haben, denn das Genie strebt nicht dem Seltsamen
zu, sondern dem Tiefen.

Picasso ist einer der Typen, wie man ihnen
— in Abwandlung natürlich — in Zeiten gesteigerter
Evolution immer wieder begegnet.
Er steht dem Anschein nach am Beginn von
etwas Neuem, bedeutet aber bei näherem
Nachsehen nur die Exaltation vorausgegangener
Anregungen, für deren lebensfähige Durchbildung
er im Nervenrausch des Vorwärts-

MASKENFEST

hastens nicht mehr oder noch nicht die absolut
notwendigen Hemmungen und die für den
genialen Menschen charakteristische lapidare
Uebersicht aufzubringen vermag. Er ersetzt
Naturkraft durch Forcierung, wahres Leben
durch Konstruktion, geht der Grenzgefühle
verlustig und wenn von einem, so gilt von
ihm das Wort Gautiers über ähnliche Bestrebungen
in der Dichtkunst der vergangenen
Dezennien: „sie riefen den Halluzinationen
benachbarte Phantasien hervor, welche den
heimlichen Wunsch nach einem unmöglichen
Neuen ausdrücken". Immerhin aber wird
jeder Verständige Picasso zuzugestehen bereit
sein, daß er ein ernst ringender Mensch
und von Haus aus sehr stark begabt ist.

Natürlich, hat er, wie das bei Leuten seines
Schlages immer der Fall zu sein pflegt, eine

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