Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 298
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GASTON LA TOUCHE

DER EMPFANG

wir besser zum engeren Thema, zu unserer
Verfolgung der Bewegungen in der neueren
Malerei zurück.

Und die Frage, die sich da noch ergibt, ist
die nach der Bedeutung einer Richtung wie
der kubistischen (die Bezeichnung ist ungenau
und vage wie alle Schlagwörter dieser Art,
aber der Einfachheit halber bediene ich mich
ihrer im folgenden weiter), für den fürderen
Werdegang der Malerei. Es wird viele geben, die
eine solche überhaupt nicht werden anerkennen
wollen, ja geneigt sind, den Kubismus
einfach als blanken Unsinn zu verwerfen.
So sehr man ihnen bis zu einem gewissen
Grad beistimmen wird und die Behauptung
verfechten kann, daß alles, was sich im folgenden
als Verdienst des Kubismus anrechnen läßt,
auch auf natürliche, weniger sensationelle und
grimassierende Weise zu erreichen gewesen
wäre, so muß man doch einmal mit den gegebenen
Verhältnissen rechnen und sich sagen,
daß es seine psychologischen Gründe haben
muß, wenn, wie im Falle Picasso, das Vorgehen
eines Einzelnen so weite Kreise zu ziehen
vermag. Etwas muß an den Experimenten
dieses Malers suggestiv wirken und dieses
Etwas soll man nicht glatt von der Hand weisen.

Es ist offenkundig, daß Bewegungen immer
dann einsetzen, wenn die alten Formen neuen
Wahrnehmungen gegenüber nicht mehr genügen
, wenn das feine Reagierungsvermögen
künstlerisch organisierter Menschen die Empfindung
auslöst, daß an Stelle der alten Formen
neue gesetzt werden müssen, die geeignet sind,
für die veränderte Anschauung den entsprechenden
, ins Künstlerische übersetzten Ausdruck zu
liefern. Dann setzt ein heftiges Suchen nach letzterem
ein und da naturgemäß dem drängenden
Bedürfnis zunächst diejenigen zu entsprechen
geeignet sind, deren Geist von Hause aus auf
Konstruktion und Versuch eingestellt ist, so
wird deren Unternehmungslust in erster Linie
angeregt. Es sind dann vornehmlich die Bedingungen
gegeben für ein Emporkommen all
jener rein theoretischen Talente, sowie jener
Halbkünstler, die wohl über künstlerischen Ver-

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