Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 300
(PDF, 174 MB)
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Worten zur Not noch kommentieren läßt, ist
auch gemalt oder gebildhauert möglich.

So war Cezanne, der „der Sorge der Impressionisten
, die sich hauptsächlich um die
Farbe drehte, die viel wichtigere um Aufbau
und Ordnung hinzufügte", in Verfolgung gewisser
Gesetze der Komposition durch ständig
vertieftes Beobachten der ihn umgebenden Dinge
zu der Erkenntnis gekommen, welch wichtige
Rolle für die Charakteristik und das suggestive
Leben der durch die Malerei wiederzugebenden
Objekte der Wechselwirkung der Flächen, Formen
und Farben aufeinander zufalle. Und da
er von der lediglich rezeptiven Darstellung der
Natur, die wohl den äußeren Schein festhält,
nicht aber den Wesensgehalt plus dessenWieder-
spiel im beschauenden Künstler gibt, hinweg
und einer mehr aktiv ausdeutenden zustrebte,
die zugleich seinem Verlangen nach Ueber-
ß tragung der Raumdinge in das Zweidimensio-
g) nale der Fläche besser genüge, wie die Malerei
seiner Vorläufer, so hatte er sich einige Grundprinzipien
zurecht gelegt, die ihm auf diesem
Wege von höchstem Nutzen sein konnten. Er
hatte sich im Geiste die vielfachen Flächen
und Körper der Natur auf einige Grundformen
zurückgeführt und gesehen, daß letzen Endes
die ganze Modellierung in der Natur aus der

Modellierung so einfacher Körper wie Zylinder,
Konus und Sphäre abzuleiten sei. Dann hat er
sich mit der Erforschung ihres Verhalten unter
den vaiiabelsten Bedingungen beschäftigt. Aber
er war sich dabei stets bewußt, daß es sich
hier nur um bloße Abstraktionen handle, die
wohl der Erkenntnis förderlich sein mochten,
nicht aber ohne weiteres auch der praktischen
Verwertung zugeführt werden könnten und
blieb in seinen Werken immer innerhalb des
Bereiches des Konkreten. Erst seinem Nachfolger
Picasso blieb es vorbehalten, einer
schrankenlosen Spekulation auch Form geben
zu wollen und er geriet dabei auf den Holzweg
, auf dem wir ihn heute sehen. Auf einem
gleichen sind alle seine Nachäffer und Mitläufer
. Immerhin aber hat die kubistische
Schule doch auch ihren Nutzen. Cezanne gegenüber
hat sie einige Differenzierungen der von
ihm aufgeworfenen Probleme geschaffen und
sie hat die Wellen seiner Formbestrebungen
weitergeleitet und verbreitert. Namentlich hat
sie Verdienste um eine ausgiebige Vitalisierung
der großen und kleinsten malerischen Flächen
eines Bildes und welchen Zwecken diese dienstbar
gemacht werden kann, habe ich erst neulich
an den Arbeiten eines jungen Prager Künstlers
gesehen, der das durch die Kubisten zur Be-

j GASTON LA TOUCHE DIE FURT |

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