Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 304
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das Streben, das eigentliche Wesen der Erschei- ^
nungen, das „Ding an sich" zu geben. Der
stärkste und suggestivste Ausdruck davon soll

und bildende Kunst zu sein; die futuristischen
Ausstellungen haben es ja auch bewiesen: dem
größten Kitschmaler ist Gelegenheit geboten,
sich im Futurismus auszuleben, und das Rezept
bedeutet für die Malerei als spezielle
Gattung so gut wie nichts. Es bleibt dem einzelnen
überlassen, wie er sich als bildender
Künstler dazu stellt.

Mit dem Kubismus und Futurismus, obgleich
sie als Hauptbewegungen der neueren Zeit hervortreten
, sind jedoch noch keineswegs schon alle
Strömungen umschrieben, die neuerdings aufgetaucht
sind, und es nimmt namentlich der Expressionismus
, den ich im Vorbeigehen schon
oben erwähnte, noch einen breiten Raum ein.
Obgleich in weiterem Sinne auch jene beiden
ihm zuzuzählen sind, hat er noch Anspruch auf
spezielle Erwähnung und Behandlung, um so
mehr, als er nicht eigentlich eine einheitliche
Sache ist, sondern sich wieder in mehrere Teilbestrebungen
gliedert.

Unter Expressionismus versteht man, im Gegensatz
zum Impressionismus, der als Darstellungsversuch
des mehr oder minder passiven Eindrucks
bezeichnet werden kann, ganz allgemein

1

gefunden werden und zugleich auch soll in der C
Wiedergabe all das zur Geltung kommen, was die (
Betrachtung der Dinge in dem konzipierenden \
Künstler an Erlebniswerten zur Auslösung ge- S
bracht hat. Der Expressionismus ist also eine J
aktivere Gestaltungsweise der Wahrnehmungen, (
wie der Impressionismus, die Uebersetzung der {
Eindrücke der Außenwelt ins eigentlich Künstlerische
und naturgemäß liegt in ihm erst die (
Vollendung und Bekrönung des Impressionis- (
mus vor. Es mußten daher zu ihm auch die <
Künstler gelangen, als sie sich in der Eindrucksmalerei
erschöpft hatten und nichts ist berechtigter
als die Absicht, die durch den modernen
Impressionismus erweiterten Erfahrungen über /
das Verhalten von Form und Farbe unter j
variablen Verhältnissen zu einer neuen künst- |
lerischen Anschauung zu verwerten. Cezanne, l
Van Gogh und Gauguin haben hier, jeder auf 1
seine Weise, auch den Hebel angesetzt und 1
sind zu Resultaten gekommen, die de facto eine
neue Vergeistigung der modernen Malerei bedeuten
. In ihnen wurzeln daher
auch alle jene Bestrebungen, die
die Gegenwart gezeitigt hat, den
von ihnen begonnenen Prozeß fortzusetzen
und im Einzelfall wird man
bei einem modernen Expressionisten
auch immer rasch zu unterscheiden
vermögen, von welchem
oder von welchen von diesen dreien
er seinen Ausgang nimmt und wie
weit er, an ihrem Streben gemessen,
für die Evolution in Betracht kommt.
So sehr es oft auch den Anschein 1
hat, als stände man in den Be- 1
strebungen der neueren Malerei 1
einem unentwirrbaren Chaos gegenüber
, so fällt es dem historisch geschulten
Betrachter doch kaum ,
schwer, sich jedesmal über das (
wahre Wesen der Kundgebungen i
Rechenschaft abzulegen und in dem I
Kunterbunt sich zu orientieren. So I
hat beispielsweise jener Teil der '
Expressionisten, die in einer Rückkehr
zum Kindlich-Primitiven, zur
Naivität, das Heil der Entwicklung
sieht und der sich inspirieren läßt i
von allem, was charakteristisch ist |
für die Art und Weise infantiler We- |
sen, oder im Naturzustand oder nied- I
riger Zivilisation lebender Völker, I
die Naturobjekte zu sehen und '

Im Besitz der Modernen Galerie (H. Thannhauser), München. — Siehe Text S. 294 Wiederzugeben , Seinen Ahnen in

PABLO PICASSO

DER DICHTER

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