Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 305
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0381
I

Gauguin, der europamüde in
die Tropen geflüchtet war und
an der Einfachheit des tahi-
tischen Volksstammes sein
Empfinden auffrischte und
auf Van Gogh leitet jene
Uebercharakterisierung oder
gar Bizarrisierung der Formen
zurück, mit der gewisse
„Neuerer" einem leidenschaftsvollen
Gegenwartstil
den Weg zu bereiten sich berufenfühlen
. Quod licet Jovi
usw. möchte man den meisten
von ihnen zurufen und
statt des Eindrucks von Kraft
und Leidenschaft, der angestrebt
ist, wird da, wo es
sich nicht sowieso nur um
Windbläserei und Schwindel
handelt, meist nur der von
Unsinn und Verrücktheit erzielt
. Auch fühlt der Kenner mit Sicherheit
durch, ob eine zur Schau gestellte Naivität
echt oder nur affektiert ist und im letzteren
Falle verstimmt sie nur, statt zu erfrischen
und zu erfreuen. Wirkung um jeden Preis
haben die Expressionisten auf ihr Panier geschrieben
und „aus allen Dingen, die auf das
Gefühl wirken, aus Gegenständlichem, wie Formalem
bauen sie ihre Bilder auf". Die Wirkungen
sind dann meist auch darnach, öfters
komische als ernste, und so sehr man dem
Fortschritt zu huldigen entschlossen ist, niemand
wird allen Ernstes annehmen, daß er

UMBERTO BOCCIONI

Mit Erlaubnis der Berliner Zeitschrift »Der Sturm«. —

GINO SEVERINI PAN-PAN-TANZ

Mit Erlaubnis der Berliner Zeitsclv.ift »Der Sturm«. —■ Siehe Text S. 302

durch solche Gewaltmittel in jedem Fall auch
erreicht wird. Im Gegenteil wird der wahre
Gegenwarts- und vorwärtsblickende Wirklichkeitsmensch
jede solche Forcierung eher als
rückständig empfinden, denn als bahnbrechend
und weiterführend.

„Gott schütze die Kunst" hat neulich ein
Aengstlicher angesichts der vielen Exzentrizitäten
und Auswüchse der Expressionisten, Ku-
bisten, Futuristen und „absoluten" Maler in
der Ueberschrift zu einer Philippika gegen sie
ausgerufen. Noch glaube ich nicht, daß zu
solchem Pessimismus Anlaß besteht und ich

halte dafür, daß die gesunden
Kräfte in unserer Zeit
immer noch stärker und wirksamer
sind als die schlechten
und kranken.

Auch bei den modernen
Bewegungen in der Malerei
und den bildenden Künsten
wird es gehen wie es schon
immer der Fall war: Was
lediglich ephemere Bedeutung
besitzt, wird rascher als
man glaubt ausgemerzt und
der Vergessenheit anheimfallen
, das Gute aber und
Zweckdienliche, anfangs oft
verdunkelt von dem Produkte
der Mode, kann kraft der
ihm innewohnenden Gewalt
auf die Dauer nicht verkannt
werden und muß früher
oder später an die Oberfläche
gelangen.

DAS LACHEN

e Text S. 302

Die Kunst für Alle XXVIII.

305

39


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