Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 309
(PDF, 174 MB)
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RICHARD PIETZSCH

DIE STILLE BLUME

— so daß man glaubt, den Aufbau der Natur
selbst zu erleben.

Wir betonen gerade den monumentalen Aufbau
der Landschafts form bei Pietzsch, weil die
Leser hier an den Schwarz-Weiß-Reproduktionen
nach Werken seiner Hand nur den Aufbau
der Formen, nicht die Entstehung dieser Formen
aus Farbe genießen können. Es ist ja
schon charakteristisch, in solcher Reproduktion
zu sehen, wie ohne Farbe nicht etwa die
Formen verfließen, sondern in starrer Härte
sich als Eindruck ins Gedächtnis eingraben.
Auch das dünkt mir ein wichtiger Beweis für
die innere wahre Lebendigkeit von Pietzschs
Landschaftsgemälden: die Farbe ist ihr Leben
und Entstehen, ohne Farbe bleibt nur die toten-

starre leblose Form, die monumentale Versteinerung
des Lebens.

Die eigenartige Vollendung „konstruktiven
Aufbaus" ist bei Pietzsch offenbar von Anfang
an dagewesen, klärt sich nur noch ab; sein
rasender Fortschritt liegt in dem Eindringen
in die Geheimnisse des „Lebens aus Farben"
eines Gemäldes. Da ist z. B. das Gemälde:
Die stille Blume. Ich erinnere mich, es schon
vor Jahren gesehen zu haben, es ist also ein
frühes Werk, denn Pietzsch ist erst nach
seiner Militärdienstzeit 1894 nach München
gekommen, wo er die Akademie — nur kurze
Zeit — beehrte. Dahat Pietzsch gewißlich nichts
„Konstruktives" schaffen wollen. Schon der
Titel sagt's, er meinte einen Traum, ein Gedicht.

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