Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 312
(PDF, 174 MB)
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RICHARD PIETZSCH

gefleckte tiefernste Wälderferne breitet sich
von Höhe zu Höhe, der Fluß blinkt dazwischen
kaum auf. Ein fahles Tiefrot eines absterbenden
Baumes vorn ist der betonte farbige Laut des
Ganzen, das zur langen Ruhe hingestreckt
scheint, während sich darüber strahlend klar,
glatt, stahlhart als graues Blau ein Abendhimmel
wölbt.

Ich wüßte nicht, wer mich je so wie Pietzsch
deutlich die Poesie Homers, den „ehernen
Himmel" hätte nachempfinden lassen — nur
die Natur selber. Pietzsch hat auch über
Florenz einmal einen gelbglühenden ehernen
Abendhimmel gemalt. Die Stadt dämmert
grauschwarz in ihrer Niederung; oben aber
glüht es ab in blendendem Gelb. Pietzsch
hat in Italien ungeheuer fleißig gearbeitet. Er
hat Küstenklippen in tiefblauer Meerbucht,
abendliche italienische Gärten, Corsikas an
Formen und Blüten reiches Land, Florenz immer
wieder, und die Anlagen der deutschen Künstlerheimstätte
dort, der Villa Romana, gemalt;
Luft und Licht zwischen Himmel und Erde
webend überrascht jedesmal neu in eigenartig
bedeutsamen Schönheitswerten der tonigen Abstimmung
. Man verliert sich wohl auch einmal
ins Studieren des Strichs dieser Meisterfaust
, die hinschlägt: „Du befiehlst, so stehet
es da!", wie eben nur das Genie befehlen, und
eine eminente malerische naturschlichte Einseitigkeit
Landschaftsblicke hinstellen kann.

ISARTAL

Pietzsch wurde seinerzeit auf seiner Hochzeitsreise
auch nach Schweden geführt. Seine
schwerblütige deutsche Art war dort bald wie
zu Hause. Die nordische Luft gibt alle Formen
schwankend, bald weich in Nebel entrückt
, bald in kristallner Klarheit vertraulich
nahgebracht. Mit seinem brutalen Strich greift
Pietzsch die feinsten bunten und luftigen Zartheiten
, schwedischen Winter um Föhren und
Berghänge, saftige Triften der Insel Gotland,
in feuchter blauer Nähe dazu das Meer.

Ich will die Bemühungen abschließen, eine
farbige Schöpferkraft in ihren Wirkungen darstellen
zu wollen — ihr unmittelbares Wirken
kann ich ja doch nicht „vermitteln", habe es
nur als mein Erlebnis schildern wollen, damit
die Betrachter der beigegebenen Nachbildungen
nach Werken Pietzschs ungefähr wissen, was
sie an bunter lebendiger Natur in diese mächtigen
Formen einer seltenen Monumentalität zu
gießen haben, damit sie sich so mitWirklichkeits-
kraft und Leben erfüllen, wie die Originalwerke
daran reich und gesättigt sind.

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Endlich wieder einmal einer, dem das
Seltene gelingt: seine Werke sind nicht poetische
Literatur, nicht malerische Probleme,
nicht Symbole, nicht gemalte Gefühle, sondern
Naturerlebnisse, uns von schöpferischer Meisterhand
gegeben. Daß es kerndeutsche Natur ist,
die wir erleben, erfreue uns zumal.

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