Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 314
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0392
VON ANTIKER MALEREI

BACCHISCHER TANZ

wie ihr Schaffen das Interesse und die Teilnahme
der Genießenden in gesteigertem Maße
auf sich sammelte. Ueber ihr persönliches
Auftreten als Menschen und Künstler, ihre
Kunstanschauungen wird allerhand Wichtiges
und Unwichtiges mitgeteilt, und wenn das auch
oft in Form der unkontrollierbaren Anekdote
geschieht, so zeigt der dabei entfaltete liebenswürdige
Eifer doch, wie man das Bedürfnis
empfand, sich mit den Malergrößen als auf-
G) ragenden Erscheinungen zu beschäftigen, sie
zu begreifen. Ihre Werke werden eingehend
beschrieben und analysiert, und man fühlt an
dem Bericht oder dem Urteil, wie sein Urheber
interessiert und persönlich berührt war
— alles immer in einem schwer zu bestimmenden
, dennoch deutlich fühlbaren Gegensatz zu
parallelen Erscheinungen auf dem Gebiete der
Plastik.

Es ist also auch schon im Altertum so gewesen
, wie in der neueren Zeit von den Tagen
der Renaissance in Italien bis heute: die Malerei
war die bevorzugte Kunst, ihre Leistungen
wirkten unmittelbarer, eindringlicher und

POMPEJI

weckten die stärkere Resonanz. Uns sind
diese, wenigstens für die Blütezeit der griechischen
Kunst, da die gefeierten Meister am
Werke waren, verloren. Daher das falsche
Eindrucksbild von einem scheinbar begrenzten
und einseitigen Auswirken der antiken Kunst.
Wir wissen zwar was, aber sehen nicht mehr,
wie Polygnot gemalt hat; wir hören von Stilbildungen
und Stilwandlungen durch Apollo-
doros und Zeuxis, ahnen und begreifen Schöpfungsakte
von ungeheuerster Fernwirkung, ohne
diese doch sinnlich messen zu können, und
der Zauber eines Gemäldes des Apelles wird
nie mehr große Erregungen wirken. Das ist
gewesen, in seiner geringen Widerstandsfähigkeit
den Stürmen der zerstörenden Mächte
unterlegen. Die Malerei, die der großen Plastik
von Myron und Phidias bis zu Praxiteles und
Lysippos zur Seite stand, ist restlos verloren,
an ihrer Stelle ein großes Dunkel, gegen das
eben jene Plastik im Eigenleuchten triumphierend
sich absetzen konnte.

Aber nicht die ganze Malerei der Antike

ist vernichtet. Ein paar Tausend Bilder und 1

314


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0392