Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 325
(PDF, 174 MB)
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| VON ANTIKER MALEREI

1

CHIRON LEHRT ACHILLEUS DAS LEIERSPIEL

NEAPEL

Noch grandioser schlägt diese monumentale
Wucht aus dem mächtigen Bilde mit Herakles,
der seinen ausgesetzten Sohn Telephos in den
Schluchten des Partheniongebirges wiederfindet
(Abb. S. 328). Eine Erfindung seltenster
Art und die Eingebung einer glücklichen Stunde
ist namentlich die ruhende Frauengestalt in der
Mitte des Bildes, die Göttin der Landschaft
Arkadia, die wie aus Urstoff geformt und für
die Ewigkeit an der Muttererde haftend erscheint
. Ein anderes Stück Natur, der lachenden
, hüpfenden, ewig beweglichen und ewig
jungen Abbild ist der köstliche Satyrbube, der
über der ernsten Göttin herabschaut, zugleich
ein prächtiges Stück Malerei in dem Bilde, die
aber als Pinselkunst einen geradezu unerhörten
Triumph feiert in dem Kopf der Heraklesgestalt
(Abb. geg. S. 328), der mit wahren Pinselhieben
und mit etwas wie Leidenschaft des Malens auf
die Fläche geworfen ist, als habe sich die Kraft
des Malers bei der Gestaltung dieses Kopfes
entzündet und verdoppelt.

Intimere malerische Reize bergen die aus
dieser letzten Epoche besonders zahlreich erhaltenen
Impressionen und Motive der Art
wie der schon wiederholt genannte thronende
Dionysos und die Bacchantengruppe. Von
keuschester Grazie ist das blumenpflückende
Mädchen (Abb. S. 336), mit ihrem gelben, auf
bläulichen Grund gesetzten Gewände zugleich
ein Farbenakkord von feinstem Wohllaut. Einer
besonderen Kleinwelt, deren zierliche Bewohner
überall auf den Wänden Pompejis ihr Wesen
treiben, gehört das Volk der Eroten an, aus
deren Leben und Treiben, das gern das Wirken
und Schaffen der „Großen" parodierend nachahmt
, namentlich das Haus der Vettier köstliche
Schilderungen erhalten hat. Ein prachtvoller
Saal ist mit einem ganzen Zyklus solcher
Erotenszenen geschmückt, von denen wir (5>
(Abb. S. 331) zwei Proben geben: wie Flügelkinder
Kränze winden und verkaufen und wie
sie feine Goldarbeiten fertigen. Die nackten,
blühenden Kinderkörper, auf tiefschwarzen

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