Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 326
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I ZWANZIG JAHRE MÜNCHNER SECESSION (

Grund gesetzt, daß sie wie Leuchtkäfer in
dunkler Nacht erglühen, die unerschöpfliche
Fülle aufs feinste beobachteter Bewegungen,
deren Möglichkeiten in dem Bilde mit den
blumenpflückenden Psychen (Abb. S. 332) noch
weiter ausgeschöpft werden, das sind rein künstlerische
Werte in diesen Erotenbildchen, die
für ein verwöhntes Auge das Interesse am
Gegenständlichen weit überwiegen.

Ganz selten ist unter den Malereien Pompejis
das realistische Porträt vertreten, begreiflich
bei der Bestimmung dieser Malereien, sich

in den Organismus eines größeren dekorativen
Gefüges einzugliedern. So fordert denn das
Bildnis des Paquius Proculus und seiner Gattin
(Abb. S. 333) als Vertreter eines ganzen Zweiges
malerischer Betätigung immerhin Beachtung,
wenn auch die künstlerische Leistung als solche
nicht eben hoch bewertet werden kann. Höher
stehtan künstlerischem Werte dasStilleben(Abb.
S.332), das sich als Gattung mit seiner dekorativen
Verwendbarkeit den Malern Pompejis als willkommenes
Motiv darbieten mußte und das denn
auch tatsächlich häufig Verwendunggefunden hat.

ZWANZIG JAHRE MÜNCHNER SECESSION 1893—1913*)

I. DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG
Von Hofrat Adolf Paulus

"eigentlich liegt die Zeit, in der der Keim
*-* zur Münchner Secession gelegt wurde,
schon 25 Jahre zurück. Die Internationale
Kunstausstellung 1888 hatte innerhalb der
,,Münchener Künstler-Genossenschaft" bereits
tiefergehende Differenzen gezeitigt. Da sich
diese Internationalen Kunstausstellungen alle
vier Jahre wiederholen sollten, hätte eine solche
nach 1883 wieder 1887 abgehalten werden
müssen, doch waren im damaligen bureaukrati-
schen Vorstande so viele Bedenken dagegen,
daß die Ausstellung erst 1888 zustande kam.
Diese Ausstellungen waren eben damals einer
großen Anzahl von Genossenschaftsmitgliedern
nicht sympathisch, weil sie in ihnen eine unliebsame
Konkurrenz vermuteten; das Ausland
konnte eine neueRichtung bringen, dieFrem-
den zu viel verkaufen usw.; kurz gar mancher,
selbst wenn er einen großen Namen hatte,
befürchtete durch sie eine Störung seiner
Kreise. Die Inszenierung der Ausstellung
wurde sehr spät in Angriff genommen, trotzdem
war die Beteiligung von allen Seiten eine
überraschend gute und zahlreiche, bloß das
dem Vorstand nicht beliebte Frankreich kam
verspätet und nicht so hervorragend wie es
hätte sein können. Kurz vor Eröffnung der
Ausstellung, als deren Erfolg gesichert erschien
, sprach ich mich den Herren Professor
J. H. L. de Haas und Edgar Hanf-
staengl in diesem Sinne aus mit dem Bemerken
, daß wie dieses Jahr so alljährlich eine

*) Anläßlich der zwanzigsten Wiederkehr des für Münchens
Kunstleben so wichtigen historischen Moments freuen wir uns,
von einem der Gründer der Secession, Herrn Hofrat Ad. Paulus,
eine Schilderung der Entstehung und Entwicklung der Secession
abdrucken zu können, der wir eine Würdigung der künstlerischen
Bedeutung von Herrn Dr. G.J.Wolf folgen lassen. Die Red.

wichtige Ausstellung im Glaspalast ins Leben
gerufen werden könnte und daß eine solche für
unsere Künstler, die schon ins Hintertreffen geraten
waren, wie für die Stadt München von
größtem Werte sein müßte. Da diese Herren
die Idee für eine sehr glückliche und nicht allzu
schwer durchführbare hielten, nahm ich mir
vor, sie weiter zu verfolgen. Ich entwickelte
meinen Plan den Herren Professor W. von Lin-
denschmit, Dr. Georg Hirth und Maler Schwabenmayer
, die sich dafür aufs lebhafteste interessierten
. Schwabenmayer brach eine Lanze
in der „Allgemeinen Zeitung" und Dr. Georg
Hirth trat in den „Münchener Neuesten Nachrichten
" für das Projekt in nicht ermüdender
Begeisterung ein. Ein zur Entscheidung
drängender Artikel von Prof. W. von Linden-
schmit unter dem Titel ,,Was fehlt noch?— Nur
der Entschluß zur Tat!" am 14. Oktober und
ein Artikel im „Schwäbischen Merkur", der die
Wichtigkeit des Projektes für ganz Süddeutschland
betonte, brachte den Stein ins Rollen.
Am 18.Oktober wurde eine Generalversammlung
der Künstlergenossen schaft,, in Aussicht "gestellt.
Da die treibenden Kräfte in der Künstlerschaft,
wie auch S. K. Hoheit der Prinz-Regent Luitpold
und die öffentliche Meinung die Jahresausstellung
mit Beteiligung des Auslandes
wünschten, stimmte man der Abhaltung
einer solchen in manchen Kreisen, die zur
Abschwächung ein Alternieren mit Berlin vorgeschlagen
hatten, mit Widerwillen zu. Natürlich
kamen nun in die Jury auch die Künstler,
die fürs Zustandekommen solcher Ausstellungen
gewirkt hatten und damit war der Gegensatz
zwischen der konservativen Vorstandschaft und

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