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1 ZWANZIG JAHRE MÜNCHNER SECESSION j
) tungen folgend, zu bewegen, sind
) im Laufe der Zeiten wieder die be-
J sten geworden, wie ja auch die In-
) ternationale Kunstausstellung dieses
l Jahres die beiden Präsidenten von
( Genossenschaft und Secession zu-
l sammen an ihrer Spitze sieht.
j * *
( II. DIE KÜNSTLERISCHE
BEDEUTUNG
Von Dr. Georg Jacob Wolf
' Das ganze zwanzigjährige Werk
der „Secession" durchweht jener
tatenfrohe, frische Zug noch heute,
der damals die jüngeren kunstbe-
> geisterten Männer veranlaßte, sich
\ zu eigenem Schaffen zusammenzu-
| tun. Sie mochten sich wohl leichten
I Sinnes in freier Variation eines Bis-
[ marck-Wortesgesagthaben: „Setzen
' wir die Münchner Kunst in den
Sattel, reiten wird sie schon selbst
I lernen! *
I So geschah's denn auch in der
I Tat: Die Münchner Kunst ist diese
I zwanzig Jahre lang geritten und zwar
I in allen möglichen Gangarten, in
1 hoher Schule und gestrecktem Ga-
' lopp und oft — nur zu oft—auch in behaglichem,
gemütlichem Trab. Und es hat sich erwiesen,
daß die „Secession" der relativ beste Sattel
I gewesen, den man für die Münchner Kunst
| finden konnte. Das müssen sogar jene zu-
l geben, die in Einzelheiten wohl auch einmal
I ihre Bedenken gegen gewisse Entwicklungs-
[ phasen der „Secession" haben. Daß die
' „Secession" aber trotzdem ein Heil für die
Münchner Kunst gewesen, das lehrt uns
nicht etwa eine einseitige Vereinsgeschichte
der „Secession", sondern in weit höherem
j Maß und in viel zuverlässigerer Weise ein
I Ueberblick über die Münchner Kunst überhaupt
) in diesen letzten zwanzig Jahren. Denn da
) ergibt es sich, daß die Mehrzahl der wertvollen
Neuerscheinungen an Werken wie an
{ Persönlichkeiten, die innerhalb dieser zwei
I Jahrzehnte auf den Plan traten, aus den Reihen
{ der „Secession" oder ihrer nächsten Umgebung
( kamen oder doch wenigstens von ihr den
) eigenen Weg vorgegraben fanden.
) In den Spalten dieser Zeitschrift sind im
) Laufe der Jahre oft genug die Persönlichkeiten
) und die Gebilde, die das Münchner Kunst-
/ leben und die Münchner Kunst der „Secession"
DOPPELBILDNIS
NEAPEL
verdankt, im einzelnen behandelt worden, so
daß es sich heute erübrigt, auf Details einzugehen
. Indessen möchte ich mich nicht
des Hinweises enthalten, daß die Münchner
„Secession" durch ihr sieghaftes und erfolggekröntes
Vorgehen auch die innerhalb der
konservativen Kunst-Körperschaften anderer
Kunstzentren vorhandenen fortschrittlichen
Kräfte zum Zusammenschluß und zu eigenem
Marschieren anfeuerte. Aus diesen „Seces-
sionen" heraus aber entstand der „Secessionis-
mus", unter dem man'eine Art zeitgenössischen
künstlerischen Stils von hohem Wert, die Synthese
aus dem vielgestaltigen künstlerischen
Ausdruck der Secessionisten, zu verstehen hat.
Im „Deutschen Künstlerbund", von dem man
leider in den letzten Jahren sehr wenig hört,
weil er zu intensiv „provinzelt", haben sich
die Secessionen wieder zu einer höheren Einheit
verschmolzen. Zahlreiche „Secessionen"
im Reich wurden von München aus auch mit
Persönlichkeiten von Ruf und Namen gespeist.
Es sei da nur daran erinnert, daß Corinth und
Slevogt, die heute der Berliner Secession ihren
freudigsten Glanz geben, von München kamen,
und daß namentlich Karlsruhe sich ganz wie
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