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1 ZWANZIG JAHRE MÜNCHNER SECESSION
Kernstücke, richtige
Dokumente des Seces-
sionismus, dabei. Diese
Sammlung, die jetzt
droben im Dachgeschoß
des Kunstausstellungsgebäudes
etwas
depotmäßig untergebracht
ist,wächstund
wird bald nach größeren
repräsentativeren
Räumen verlangen.
Was die heutige äußere
Situation des Se-
cessionismus anlangt,
so steht es außer aller
Frage, daß er gesiegt
hat. Daß dem so ist,
das ist zum großen Teil
auch dem feinenKunst-
verständnis des verstorbenen
Prinzregenten
Luitpold von Bayern
zu danken, der der
„Secession" von Anbeginn
seinen Schutz
lieh. Heute sehen wir fast durchwegs Lehrstellen
der Akademie der bildenden Künste mit
Meistern der „Secession" besetzt. Das Wichtige
an dieser Tatsache ist, daß damit auch
EROTENVERKAUF
NEAPEL
ein der Kunstfreunde), modernes Kunstgewerbe
von Erler, Paul, Riemerschmid u.a , eine photographische
Ausstellung usf., gewiß ein Beweis,
daß man es niemals auf die Einseitigkeit abgesehen
hatte, sondern als das Programm der die heranwachsende Kunstgeneration in den
„Secession"die höchstmögliche
Mannigfaltigkeit
der Erscheinungen
hoch in Ehren hielt...
Aus diesen Ausstellungen
heraus ist langsam
, aber mit immer
schönerem Erfolg eine
kleine Gemälde- und
Graphikensammlung
erwachsen, die „Seces-
sions-Galerie". Es war
namentlich der Maler
W. L. Lehmann, damals
Schriftführer der „Secession
", der sich um
ihr Zustandekommen
verdient machte, der
den Anstoß zu ihrer
Gründung gab. Heute
dürfte diese Sammlung
schon mehr alshundert
Werke (darunter auch
einige Plastiken) umfassen
und es sind
BLUMENPFLUCKENDES MÄDCHEN
NEAPEL
Prinzipien des Seces-
sionismus unterrichtet
wird und so dessen
Dauer und Permanenz
gesichert ist.
*
Solche Erfolge legen
natürlich auch Pflichten
auf. Außerordentliche
Pflichten. Die
„Secession" ist heute
nicht mehr eine oppositionelle
,sondern eine
repräsentative Kunstgruppe
Münchens. Als
solche hat sie die oberste
Pflicht, für Entwicklung
zu sorgen und jeder
Stagnation, zu der
ein scharfes Auge wohl
daund dort einen leichten
Ansatz finden mag,
mit der größten Entschiedenheit
die Fehde
anzusagen.
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