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RICHARD PIETZSCH
Frühjahrausstellung der Münchner Secession
LANDSTRASSE NACH DORFEN
Schnittermahl von Franz Eichhorst (Abb.
S. 340). Wir kennen dieses Motiv namentlich
in der Behandlung der „Scholleu-Leute, die
es in ihrer Frühzeit auf illustrative Stimmung
stellten; hier ist von vorneherein ein viel mehr
malerischer und koloristisch feiner wirkender
Eindruck herausgebracht. Ich fand nur noch
bei einem von den jüngeren Leuten diese
dünne, sympathische Helligkeit der Malerei:
es ist der mondäne Oskar van Hout, dessen
scheinbar leicht hingeschleuderte Strandszenen
von einer hohen koloristischen Anmut sind
und eine Fülle von Licht eingefangen zu haben
scheinen. Man fühlt sich bei ihm fast ein
wenig an die Landschaften und Szenen von
Trouville, die so gerne dem Aquarellpinsel
der Impressionisten entflossen, erinnert, nur
daß dieser junge Künstler zwar mondäner,
aber natürlich künstlerisch weniger ernsthaft
ist. Von fast plakatartiger Wirkung sind zwei
Arbeiten von Georg Ganss — „Handel" und
„Straßensänger" —, der starke bunte Kontraste
liebt und mit dem Pathos seines Kolorits
, das manchmal freilich allzu sorglos scheint,
die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Was
neben seine Bilder zu hängen kommt, hat
einen harten Stand. Hümmels Neger weckt
Erinnerungen an Trübner auf und läßt interessante
Vergleiche zu, wie die Jugend von
1870 und die Jugend von 1912 in die
Kunst hineindringen. Martha Reichs Dame
auf der Chaiselongue ist ein tüchtiges, wenn
auch nach bewährten Schulrezepten, so doch
mit sicherem eigenen Können gemaltes Bild
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