Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 352
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0434
Mienen jener beiden Jünglinge, die auf schwankem
Boot mit verschränkten Armen einander
stützen; und zu höchster Ausdruckskraft gesteigert
sind die leise atmenden nackten
Knabenkörper, die mit über der Brust gekreuzten
Armen und auf die Schulter gehobenen
Händen um den Rand eines runden Brunnens
herumknien in fünfmal wiederholtem Rhythmus
, in den ruhigen Wasserspiegel niederschauend
. Die Flächen der Körper sind klar
gegeneinander abgesetzt und an den maßgebenden
Gelenken in fest aufeinanderstoßenden
Geschieben wie mit dem Messer geschnitten
. Von ähnlich magerer Schlankheit
der Formen und gleichfalls beinahe geschlechtslos
der jugendlich weibliche Marmorakt in
interessantestem Kontrapost (Sammlung Waern-
dorfer-Wien); auch hier die Empfindung bewegt
, leidend, aber nicht geschraubt oder posierend
. — Starke Ausdruckskraft mit einem
Mindestmaß an Mitteln erreichte der Künstler
in der Marmorfigur des „Redners" (Abb.S.347),
geschlossen und von jeder Seite übersichtlich
und wirkungsvoll in der Behandlung der Silhouette
und der einfach klaren Formen, auch
ohne den Titel und ohne materiell ausgedrückte
Geste „sprechend", wie gewisse Volkstypen
der frühägyptischen Kleinplastik des sog. Alten
Reichs. Dieses Werk, jetzt im Besitz des
Folkwang-Museums zu Hagen i. W., war auch

auf der vorigjährigen „Sonderbundausstellung"
in Köln zu sehen, in der sich 14 Arbeiten aus
verschiedenem Material (Marmor, Holz und
Bronze) befanden, kleinere und größere Rundplastiken
, Reliefs und Grabmalsentwürfe, die
zur Genüge nicht nur Beleg waren für das
starke Stilempfinden des Künstlers, sondern
auch für die Art, wie er in dem verschiedensten
Jvlaterial seiner bildhauerischen Arbeit den
jeweils richtigen Ausdruck zu finden weiß.

Jenes lautere Ethos, von dem schon oben
gesprochen wurde, mit einem Einschlag von
milder Fraulichkeit, liegt auch in dem Antlitz
der Marmorbüste einer lieblichen und doch
starken Frauenphysiognomie, gleichfalls im
Besitz des Folkwang-Museums zu Hagen. —
Aber auch realistische Bildungen von strotzender
Kraft befinden sich im Oeuvre Minnes, so
z. B. der männliche Torso, von derber Wucht
anatomisch exakter Durchbildung, in vielem
übrigens erinnernd an einzelne Frühwerke
Auguste Rodins. Hierher gehört auch eine
männliche Bronzebüste, ganz konzentrierte
Energie, wie ein Renaissancemensch, in der
Technik gleichfalls wieder Rodin nahestehend.

Besondere Erwähnung verdienen sodann in
dem vielseitigen Schaffen des Künstlers die
Grabmäler, die seiner Art und Seelenstimmung
am meisten zu entsprechen scheinen. Er
hat bisher eine ganze Anzahl solcher Werke

| GEORGE MINNE AUFERSTEHUNG (MARMOR) ^

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